Baden-Württemberg steht vor einer Richtungsentscheidung. Rund 7,7 Millionen Menschen sind am Sonntag zur Wahl eines neuen Landtags aufgerufen – so viele wie noch nie zuvor. Besonders spannend: CDU und Grüne liegen laut letzten Umfragen nahezu gleichauf.
Fest steht bereits: Nach 15 Jahren endet die Ära von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Grünen-Politiker tritt nicht mehr an. Damit wird das Land definitiv eine neue Regierungsspitze bekommen.
Hagel gegen Özdemir: Wer gewinnt das Rennen?
Im Mittelpunkt des Wahlkampfs steht das Duell zwischen CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel (37) und Grünen-Politiker Cem Özdemir (60). Beide Parteien lagen zuletzt bei jeweils rund 28 Prozent.
Hinter dem Spitzenduo folgt die AfD mit etwa 18 Prozent. Deutlich dahinter liegen SPD (rund 8 Prozent) sowie FDP und Linke, die jeweils um die Fünf-Prozent-Hürde kämpfen.
Damit könnte sich erneut eine Koalition zwischen CDU und Grünen als wahrscheinlichstes Regierungsbündnis ergeben – ähnlich wie in der bisherigen Landesregierung.
Mehr junge Wähler als je zuvor
Diese Wahl bringt auch eine wichtige Neuerung: Erstmals dürfen in Baden-Württemberg bereits 16- und 17-Jährige abstimmen.
Dadurch kommen Hunderttausende junge Wählerinnen und Wähler hinzu. Insgesamt gibt es rund 650.000 Erstwähler. Welche Auswirkungen diese Stimmen auf das Ergebnis haben werden, ist offen.
Zudem gilt bei der Landtagswahl erstmals ein Zwei-Stimmen-System ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Eine Stimme geht an den Kandidaten im Wahlkreis, die zweite an eine Partei.
Wahlbeteiligung könnte steigen
Am Wahltag selbst deutete sich bereits eine rege Beteiligung an. In einigen Städten lagen die Zahlen am Nachmittag über denen der letzten Landtagswahl 2021.
Auch das sonnige Wetter dürfte viele Menschen motivieren, ihre Stimme persönlich im Wahllokal abzugeben.
Wirtschaft und Auto-Industrie dominieren den Wahlkampf
Inhaltlich wurde der Wahlkampf stark von der Wirtschaft geprägt. Baden-Württemberg ist eines der wichtigsten Zentren der deutschen Automobilindustrie.
Rund 235.000 Menschen arbeiten im Südwesten direkt in der Auto-Branche. Angesichts der Transformation zur Elektromobilität und der Krise vieler Zulieferer stand deshalb besonders die Wirtschaftspolitik im Mittelpunkt der Debatten.
Danach folgten in Umfragen Migration sowie Bildungspolitik als wichtigste Themen für die Wähler.
Wahl gilt als Signal für ganz Deutschland
Die Landtagswahl im Südwesten ist zugleich der Auftakt für ein politisch wichtiges Jahr. Sie gilt als erste große Wahl im Superwahljahr 2026 und wird auch bundespolitisch aufmerksam verfolgt.
Viele Beobachter sehen sie als Stimmungstest für die Bundespolitik – und besonders für die CDU unter Bundesparteichef Friedrich Merz.
Die Wahllokale sind bis 18 Uhr geöffnet. Erste Prognosen werden unmittelbar danach erwartet.

