Reservekraftwerke sollen Preise senken

Kohleindustrie bietet Stromhilfe an

Kohleindustrie bietet Stromhilfe an
Foto: Kohlekraftwerk (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Angesichts hoher Energiepreise während des Nahostkonflikts bietet die deutsche Steinkohlewirtschaft an, mit Reservekraftwerken die Stromversorgung zu stützen und die Kosten zu senken. Man sei bereit, fast sieben Gigawatt zusätzliche Leistung zur Verfügung zu stellen, um den Markt zu entlasten und Gas einzusparen. Dies würde auch der Koalitionsvertrag vorsehen.

Sieben Gigawatt zusätzliche Leistung

Die deutsche Steinkohlewirtschaft sieht sich in der Lage, dem Energiemarkt kurzfristig kostengünstigen Strom aus Reservekapazitäten zur Verfügung zu stellen. „Wir stehen parat, dem Markt zur Stromerzeugung fast sieben Gigawatt zusätzliche Leistung aus der Reserve zur Verfügung zu stellen“, erklärte Axel Bethe, Vorsitzender des Vereins der Kohlenimporteure, gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Gas sparen und Preise stabilisieren

Diese Kapazität, die rund zehn Prozent der deutschen Spitzenlast abdeckt, könnte laut Bethe die Strompreise „erheblich senken“ und wichtige Gasreserven schonen, die dringend für Heizungen, Industrie und zum Wiederauffüllen der Speicher benötigt werden. Auch Kraftwerksbetreiber wie Steag drängen auf den Einsatz dieser Reservekraftwerke, um die angespannte Versorgungslage zu entschärfen. Sie verweisen auf den Koalitionsvertrag, der den Einsatz von Reservekraftwerken nicht nur zur Abwendung von Engpässen, sondern auch zur Preisstabilisierung vorsieht.

Ministerium prüft, warnt aber auch

Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte der FAZ die Prüfung des Koalitionsauftrags. Allerdings äußern Kreise im Ministerium Bedenken hinsichtlich der Praktikabilität und Kosten eines Markteinsatzes. Risiken für die Netzstabilität und rechtliche Hürden, insbesondere im EU-Beihilferecht, seien zu beachten. Man habe in der sogenannten Kapazitätsreserve primär Gaskraftwerke, deren alleiniger Einsatz nicht zur Entlastung der Speicherpreise beitrage. Auch die Netzreserve sei nur bedingt einsetzbar, da Kohlekraftwerke durch Anforderungen zur Netzstabilität bereits ausgelastet seien.

Konflikt um Kosten und Umweltbilanz

Bethe widersprach dieser Einschätzung vehement. Selbst ältere Steinkohleblöcke könnten Strom zu Kosten von unter 120 Euro je Megawattstunde erzeugen, während offene Gasturbinen bei etwa 170 Euro lägen. Auch die Klimabilanz von Steinkohle sei nicht ungünstiger als die von Flüssigerdgas (LNG). Andreas Reichel von Steag betonte, dass die Reservekraftwerke sowohl zur Systemstabilisierung als auch zur Strompreisdämpfung eingesetzt werden könnten. Ein Einsatz sei „nicht nur möglich, sondern ökonomisch geboten“ und würde „die Strompreise und den Gasverbrauch sofort senken“, eine „Win-Win-Situation für Industrie und Verbraucher gleichermaßen“.

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)