Deutschland verzeichnet traurigen Rekord

Kindeswohlgefährdung in Deutschland auf neuem Höchststand

Foto: Kindernotdienst (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jugendämter in Deutschland haben im vergangenen Jahr so viele Fälle von Kindeswohlgefährdung registriert wie nie zuvor. Vernachlässigung und Gewalt sind die Hauptursachen für die besorgniserregende Entwicklung, die das dritte Jahr in Folge einen neuen traurigen Rekord aufstellt.

Das Ausmaß der Kindeswohlgefährdung in Deutschland erreicht besorgniserregende Dimensionen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete, stellten die Jugendämter im Jahr 2024 bei rund 72.800 Kindern und Jugendlichen eine Gefährdung fest. Dies ist der dritthöchste Wert in Folge und ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren.

Innerhalb von nur fünf Jahren ist die Zahl der registrierten Kindeswohlgefährdungen um fast ein Drittel angestiegen. Im Jahr 2019 lag dieser Wert noch bei etwa 55.500 Fällen. Auch im Vergleich zum Vorjahr 2023, als schätzungsweise 67.300 Fälle vorlagen, bedeutet dies eine Zunahme von 8 Prozent. Die tatsächliche Zahl der gemeldeten Fälle im Vorjahr lag bei 63.700, was einen Anstieg von 14 Prozent für 2024 ausmacht.

Die Betroffenen – Junge Kinder am stärksten gefährdet

Besonders alarmierend ist, dass etwa jedes zweite betroffene Kind jünger als neun Jahre war, und jedes dritte Kind war sogar jünger als sechs Jahre. Das Durchschnittsalter der betroffenen Minderjährigen lag bei 8,3 Jahren. Die meisten dieser Kinder wuchsen in intakten Familien bei beiden Elternteilen (38 Prozent) oder bei einem alleinerziehenden Elternteil (37 Prozent) auf. Knapp jeder dritte Fall (32 Prozent) war von Familien betroffen, in denen mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft war und die Familiensprache nicht Deutsch.

Maßnahmen und Ursachen der Gefährdung

In 91 Prozent der Fälle konnten nach Feststellung der Gefährdungssituation Hilfen oder Schutzmaßnahmen vereinbart werden. In 18 Prozent der Fälle schalteten die Jugendämter das Familiengericht ein, insbesondere wenn Eltern nicht bereit oder in der Lage waren, die Gefahr abzuwenden.

Die häufigsten Ursachen für Kindeswohlgefährdung waren Vernachlässigung (58 Prozent) und psychische Misshandlungen (37 Prozent). Körperliche Misshandlungen wurden in 28 Prozent der Fälle festgestellt, sexuelle Gewalt in sechs Prozent. Jungen waren etwas häufiger von Vernachlässigung und körperlicher Misshandlung betroffen, während Mädchen häufiger psychischer und insbesondere sexueller Gewalt ausgesetzt waren.

Wer sind die Verursacher?

In drei Viertel aller Fälle ging die Kindeswohlgefährdung von einem Elternteil aus. Auch Stiefelternteile, neue Partner von Elternteilen oder sonstige Personen wie Verwandte, Pflegeeltern oder Erzieher spielten eine Rolle. In einigen Fällen war die Ursache unklar oder die Gefährdung ging von mehreren Personen aus.

Vor diesem Hintergrund haben die Jugendämter im Vorfeld rund 239.400 Verdachtsfälle geprüft. Diese Zahl ist ebenfalls ein neuer Höchststand und übertrifft die Zunahme der Kindeswohlgefährdungen. In 78.000 weiteren Fällen stellten die Behörden zwar keine Kindeswohlgefährdung, aber einen Hilfebedarf fest.

Die Hinweise auf mögliche Gefährdungssituationen kamen am häufigsten von Polizei und Justiz (31 Prozent), aus der Bevölkerung (21 Prozent), von der Kinder-, Jugend- oder Erziehungshilfe (13 Prozent) und von Schulen (zwölf Prozent). Hinweise aus den Familien selbst waren seltener.

(Mit Material der der dts Nachrichtenagentur erstellt)