Rüstungspolitik im Wandel

Kiel – Ökonom fordert Führung in der Rüstungspolitik

Foto: Deutsche Kriegsschiffe (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Der Kieler Wirtschaftsforscher Moritz Schularick hat im Tagesverlauf vor einem Führungsvakuum in Deutschlands Verteidigungspolitik gewarnt. Er betont, dass Berlin eine klare Richtung braucht, damit Europa künftig nicht mehr von den USA abhängig bleibt. Merz müsse im Kanzleramt die Strategie vorgeben, Pistorius müsse eng mit europäischen Partnern kooperieren. Experten sehen darin eine direkte Antwort auf wachsende globale Unsicherheiten.

Rüstungsproduktion im Fokus

Der Kieler Wirtschaftsforscher Moritz Schularick warnt im Tagesverlauf vor einem Führungsvakuum in der Verteidigungspolitik Deutschlands. Er betont, dass Berlin im kommenden Jahrzehnt bei der Frage der Einsatzfähigkeit eigenständiger handeln muss. Merz soll im Kanzleramt eine klare Richtung vorgeben, damit Europa nicht weiter von den USA abhängig bleibt. Pistorius müsse eng mit europäischen Partnern kooperieren. Kein Plan.

Koordination statt Vasallentreue

Schularicks Vorschlag: einen Rüstungskoordinator, der die Steuerung übernimmt. Das Verteidigungsministerium sei dafür weniger geeignet; das Wirtschaftsministerium habe die Lage verstanden, aber die Umsetzung müsse vom Kanzleramt kommen. Er kritisiert, dass bislang keine umfassende Strategie vorliege, wie gewaltige Verteidigungsgelder in Standort- und Technologieförderung fließen sollen.

Um die Abhängigkeit zu verringern, müsse Deutschland Verträge mit der Industrie abschließen, damit Produktionskapazitäten sofort hochgefahren werden können. Die Debatte reicht auch in Bereiche der Infrastruktur hinein; ein Beispiel ist der Berliner Stromausfall, der die Verwundbarkeit öffentlicher Netze deutlich macht: Der Stromausfall in Berlin.

Industrie- und Alltagsbezug

Der Ökonom verweist darauf, dass die Krise anderer Industriezweige brachliegende Kapazitäten schafft, die auch für die Rüstungsproduktion nutzbar wären. Um das Tempo zu erhöhen, müsse Deutschland Verträge mit der Industrie abschließen, damit Produktionskapazitäten sofort hochgefahren werden können. Zukunftstechnologien wie autonome Systeme, Satelliten, KI, Robotik und unbemannte Systeme sollten Priorität haben.

Im Alltag spüren Bürgerinnen und Bürger die Folgen, wenn Lieferketten nicht reibungslos funktionieren oder Kosten steigen. Die Entscheidung, wie Europa seine Verteidigung eigenständiger gestalten kann, hat unmittelbare Auswirkungen auf Jobs, Preise und Sicherheit im täglichen Leben.

Ausblick

Deutschland besitzt theoretisch die Mittel und die industrielle Basis, um trilaterale Kooperationen zu stärken und weltweite Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Frage bleibt, ob Merz eine solche Koordination im Kanzleramt verankern und Verträge zügig schließen kann, damit der Bund schneller eigenständige Verteidigungsfähigkeiten aufbauen kann.

dts Nachrichtenagentur