Europas Staaten sollen mehr Gegenwehr zeigen

IStGH-Richterin fordert Widerstand gegen US-Sanktionen

IStGH-Richterin fordert Widerstand gegen US-Sanktionen

Internationaler Strafgerichtshof (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Eine vom US-Sanktionsregime betroffene Richterin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) ruft europäische Staaten zu entschiedenerem Vorgehen auf. Beti Hohler kritisiert die Übermacht der USA und die „vorauseilende Regelbefolgung“ europäischer Banken, die das Leben sanktionierter Personen dramatisch einschränke.

Europa soll ’sich wehren‘

Die 44-jährige Richterin Beti Hohler vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) hat die europäischen Staaten zu mehr Gegenwehr gegen US-Sanktionen aufgerufen. „Es ist wichtig, sich zu wehren“, sagte Hohler der Wochenzeitung „Die Zeit“. Wenn Staaten Sanktionen unmissverständlich verurteilten, habe das Gewicht. Zudem sollten die Staaten Dienstleistern in ihren Ländern klarmachen, „dass die EU die Wirkung dieser Sanktionen außerhalb der USA nicht anerkennt“.

Persönliche Folgen der Sanktionen

Hohler ist seit knapp einem Jahr von US-Sanktionen betroffen. Sie gehörte zu der Kammer, die Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dessen ehemaligen Verteidigungsminister Joaw Galant erließ. Die Trump-Regierung setzte sie 2025 auf die Sanktionsliste. Mittlerweile sind elf IStGH-Mitarbeiter, darunter acht Richter, sanktioniert.

Das Leben der Richterin hat sich dadurch grundlegend verändert. „Eine europäische Bank, bei der ich seit Jahrzehnten Kundin bin, hat mein Konto mit sofortiger Wirkung geschlossen“, schilderte sie der „Zeit“. Auch Kreditkarten wurden innerhalb von 24 Stunden gekündigt. Europäische Banken beenden oft Geschäftsbeziehungen mit Sanktionierten aus Angst vor eigenen Strafen. „Diese ‚overcompliance‘, also vorauseilende Regelbefolgung, bereitet mir als europäische Bürgerin große Sorgen. Es zeigt, wie ungeschützt wir sind.“

Digitale und alltägliche Hürden

Ohne Kreditkarte seien viele alltägliche Dinge, besonders online, stark eingeschränkt. Zahlungsdienstleister wie Apple Pay, Google Pay oder Paypal, die sie nicht nutzen kann, da sie US-Unternehmen sind, werden oft nur noch akzeptiert. Hotelbuchungen sind nur schwierig, Autovermietungen nahezu unmöglich. Auch digitale Dienste wurden gekündigt, wie ihre Apple-ID. Konten bei US-Anbietern wie Amazon und Airbnb wurden gesperrt. „Das ist das Zermürbende: Man wird nicht vorgewarnt. Man hat keine Zeit, sich zu organisieren“, erklärte Hohler. „Was heute noch funktioniert, funktioniert morgen vielleicht schon nicht mehr.“

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

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