Migrationsexperten sehen erhöhte Hürden

Iran-Konflikt: Türkei als „Türsteher“ für Flüchtlinge nach Europa

Foto: Flüchtlinge vor einem Grenzzaun (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Die militärische Eskalation im Iran könnte zu neuen Fluchtbewegungen Richtung Europa führen. Migrationsexperten warnen jedoch vor einer Massenflucht, da die Türkei als "Türsteher" agiere und die Grenzsicherung massiv verstärkt habe. Die tatsächliche Entwicklung hängt von der inneren Stabilität des Irans ab.

Türkei sichert Europa Pufferzone

Angesichts der angespannten Lage im Iran und möglicher Fluchtbewegungen nach Europa schätzen Experten die Situation als komplex ein. Der Konstanzer Migrationsforscher Daniel Thym sieht die Türkei in einer Schlüsselrolle. „Die Türkei dient insofern als Türsteher oder Puffer, der irreguläre Migrationsbewegungen vorerst von Europa fernhält“, erläutert Thym. Ankara habe in den vergangenen Jahren Grenzbefestigungen zum Iran und zu Syrien massiv ausgebaut und gehe strikt gegen „irreguläre Migration“ vor.

Ob es tatsächlich zu einer Massenflucht kommt, hängt laut Thym entscheidend von der inneren Stabilität des Irans ab. Zerbrechen könnte das Land durch Aufstände von Oppositionsbewegungen oder ethnischen Gruppen. „Falls das nicht der Fall sein sollte, dürfte die Anzahl der Fluchtbewegungen vorerst begrenzt sein, was nicht null heißt, aber keine Massenflucht bedeutet“, so Thym.

Deutschland wieder Hauptzielland?

Sollte es dennoch zu größeren Fluchtbewegungen kommen, gilt Deutschland erneut als potenzielles Hauptzielland innerhalb Europas. Allerdings, so Winfried Kluth, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration, sei Deutschland und die EU heute besser auf mögliche Flüchtlingswellen vorbereitet als in der Vergangenheit. „Es ist angesichts der traditionell starken Verbindungen zwischen Deutschland und dem Iran sicher sinnvoll, entsprechende Vorbereitungen zu treffen“, rät Kluth der Bundesregierung dennoch zur Vorsorge. Die neue EU-Asylreform und eine genaue Bestandsaufnahme der Flüchtlingsunterkünfte in den Kommunen könnten eine geordnete Reaktion ermöglichen.

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)