Reformen statt Symptombehandlung
Die Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, übt scharfe Kritik am aktuellen Gesundheitssystem. „Seit Jahrzehnten doktert die Politik an den Symptomen eines zunehmend überlasteten Gesundheitswesens rum“, sagte sie der „Rheinischen Post“. Anstatt die Probleme an der Wurzel zu packen, werde die Situation immer weiter verschlimmert. Ihr Fazit: Ohne grundlegende Reformen bleibt das Problem bestehen.
Das Primärversorgungssystem – Die Hoffnungsträgerin?
Ein zentraler Punkt der Forderungen ist die zeitnahe Einführung eines Primärversorgungssystems. „Es ist entscheidend, dass das geplante Primärversorgungssystem zeitnah ausgerollt wird“, betont Buhlinger-Göpfarth. Ziel sei eine bessere Steuerung, die Facharztpraxen entlaste und Kapazitäten für wirklich dringende Fälle freimache. Priorität müsse es haben, dass Patienten mit akuten Beschwerden auch schnell einen Termin bekommen.
Aktuell sei das System chaotisch, viele Patienten würden unnötigerweise Fachärzte aufsuchen, die eigentlich nicht zuständig wären. „Das Motto lautet vielerorts: Wer zuerst kommt, malt zuerst“, so die Verbandsvorsitzende. Daran seien aber nicht die Patienten schuld, sondern das veraltete System.
Politik sucht Lösungen – Grüne warnen vor leeren Versprechungen
Die Koalition aus Union und SPD plant ein verbindliches Steuerungssystem, das Patienten zuerst zum Hausarzt schicken soll. Dieser verweist dann bei Bedarf an Fachärzte. Trotz steigender Ausgaben warten gesetzlich Versicherte 2024 durchschnittlich 42 Tage auf einen Termin beim Spezialisten. Darauf weisen auch die Grünen hin.
Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen, nennt die Entwicklung ein „gesundheitspolitischen Alarmzeichen“. Er kritisiert, dass trotz höherer Ausgaben die Wartezeiten eher länger werden. „Trotz deutlich steigender Ausgaben warten gesetzlich Versicherte heute länger auf Facharzttermine als noch vor wenigen Jahren“, sagte er der „Rheinischen Post“. Dahmen bemängelt ein fehlendes „schlüssiges Konzept“ von Gesundheitsministerin Warken, um Über- und Fehlversorgung zu reduzieren.
Er fordert ein schnelles, verbindliches Primärarztsystem mit klarer Zuständigkeit, digitaler Terminsteuerung und medizinischer Priorisierung – statt immer neuer Millionenprogramme ohne messbaren Nutzen.
