Nebenerwerb treibt Gründungswelle

Gründerhoch in Deutschland: Mehr Selbstständige im Nebenjob

Archivbild: Gebäude der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Die Gründungstätigkeit in Deutschland boomt. Laut einer Auswertung der KfW-Förderbank stieg die Zahl der Existenzgründungen im vergangenen Jahr deutlich an. Vor allem der Nebenerwerb verzeichnet einen starken Zuwachs, während die Zahl der Vollerwerbsgründungen stagniert. Gestiegene Lebenshaltungskosten und die Suche nach zusätzlichem Einkommen sind Haupttreiber dieser Entwicklung.

Gründungen legen zu

Die Gründungstätigkeit in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen kräftigen Schub erhalten. Die Gründungsintensität, also die Zahl der Existenzgründungen je 10.000 Menschen zwischen 18 und 64 Jahren, kletterte von 115 auf 136. Das entspricht rechnerisch rund 690.000 Neugründern, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 585.000 im Vorjahr.

Nebenerwerb als Motor

Hauptverantwortlich für diesen Aufschwung zeigt sich die Gründungstätigkeit im Nebenerwerb. Die Gründungsintensität in diesem Bereich stieg von 75 auf 95 je 10.000 Personen. Rund 483.000 Nebenerwerbsgründungen wurden im vergangenen Jahr gezählt, nach 382.000 im Jahr zuvor. Deutlich weniger dynamisch verhält sich der Sektor der Vollerwerbsgründungen. Mit 41 Gründungen je 10.000 Personen zeigt sich hier seit drei Jahren kaum eine Veränderung. Dies mündet in knapp 206.000 Vollerwerbsgründungen im Berichtsjahr. In der Folge hat der Anteil der Nebenerwerbsgründungen an der Gesamtzahl der Neugründungen mit 70 Prozent einen neuen Höchststand erreicht.

Zuverdienst als Hauptgrund

Für die Mehrheit derer, die sich im Nebenerwerb selbstständig machen, ist das Ziel klar: zusätzliches Einkommen generieren. „Ein möglicher Grund für den starken Anstieg der Gründungstätigkeit im Nebenerwerb sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten“, erklärt Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. „Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist schwieriger geworden, auch kleine Nebenjobs sind nicht mehr leicht zu finden. Die Selbstständigkeit kann hier eine Alternative für einen Zuverdienst sein.“

Überzeugung treibt Gründer

Unabhängig von der Erwerbsform prägt die Überzeugung die Mehrheit der deutschen Gründer. Zwei Drittel bevorzugen die Selbstständigkeit grundsätzlich gegenüber einer Anstellung. Zwar ist diese Präferenz bei Nebenerwerbsgründungen im Verhältnis geringer als bei Vollerwerbsgründern, doch auch hier stellt sie die klare Mehrheit dar, die Tendenz ist laut KfW steigend.

Solo-Gründungen dominieren

Im vergangenen Jahr hatten 24 Prozent der Existenzgründungen Beschäftigte. Die absolute Mehrheit bilden mit 86 Prozent Sologründungen, also Gründungen durch eine einzelne Person. Teamgründungen spielen eine untergeordnete Rolle. Die meisten Gründungen waren Neuaufsetzungen von Unternehmen, sowohl rechtlich als auch organisatorisch. Nur etwa zehn Prozent der Existenzgründungen erfolgten durch eine Übernahme.

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

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