„Dummverkaufen“ mit Folgen
Ingmar Hoerr, eine Schlüsselfigur in der mRNA-Impfstoffforschung, erhebt schwere Anschuldigungen gegen Biontech. Die Übernahme seines ehemaligen Unternehmens Curevac durch die Mainzer war aus seiner Sicht mit einer bewussten Irreführung der Aktionäre verbunden. „Wenn in den Unterlagen sinngemäß gestanden hätte: Wir wollen Curevac schließen, wir wollen günstig Patente erwerben – hätte dem doch niemand zugestimmt“, sagte Hoerr dem „Spiegel“. Er empfinde das Vorgehen als „Dummverkaufen“.
Wissen geht verloren
Biontech hatte angekündigt, bis Ende 2027 bedeutende Produktionswerke in Marburg, Idar-Oberstein und Singapur sowie den Hauptsitz von Curevac in Tübingen zu schließen. Diese Entscheidung birgt nach Ansicht Hoerrs erhebliche Risiken. „Das über mehr als 20 Jahre aufgebaute Wissen zerfalle – und man baue es nicht mal eben neu auf“, warnte der Biologe. Er kritisierte zudem die zeitgleiche Ankündigung von Stellenabbau und einem umfangreichen Aktienrückkaufprogramm. Ein solches Vorgehen wirke, als würde man einerseits Sparzwänge betonen und andererseits „in großem Stil“ eigene Aktien zurückkaufen – das sei „dreist“, so Hoerr.
Patente als Hauptgrund?
Die strategische Ausrichtung von Biontech bei der Übernahme von Curevac sieht Hoerr klar auf die Patente ausgerichtet. Auch die Beilegung eines laufenden Patentstreits sei ein entscheidender Faktor gewesen. Angesichts der damaligen Corona-Umsätze seien hierbei „potenziell Milliardenbeträge“ im Spiel gewesen.
Nobelpreis-Kritik
Einen kritischen Blick wirft Hoerr auch auf die ausbleibende Verleihung des Medizin-Nobelpreises an die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci. Aus seiner Perspektive fehle „die klare eigene wissenschaftliche Kernleistung, die man typischerweise mit einem Nobelpreis verbindet“.
Zukunft als Übernahmekandidat?
Mit Blick auf die Zukunft von Biontech äußerte Hoerr im „Spiegel“ eine düstere Prognose. Sollten die Erfolge ausbleiben, könne es sogar sein, „dass Biontech irgendwann selbst ein Übernahmekandidat wird“.



