Skepsis gegen automatisches Ja bei Organspende
Der gesundheitspolitische Sprecher der CSU, Stephan Pilsinger, hat sich klar gegen die Einführung einer sogenannten Widerspruchslösung bei der Organspende ausgesprochen. Sein Hauptargument: „Der Staat darf Schweigen nicht als Zustimmung werten.“ Diese Haltung teilt er mit anderen Abgeordneten, die einen Gruppenantrag zur Änderung des Organspenderechts eingebracht haben.
Pilsinger betont, dass viele Menschen aus persönlichen Gründen, sei es psychisch oder kognitiv, nicht in der Lage seien, sich mit der komplexen Frage der Organspende auseinanderzusetzen. Aus einem solchen Nicht-Handeln automatisch eine Spendenbereitschaft abzuleiten, hält der CSU-Politiker für unzureichend.
Uneinheitliche Studienlage zur Wirksamkeit
Der CSU-Politiker verweist auf die unklare wissenschaftliche Datenlage zur Widerspruchslösung. „Bis heute fehlt der wissenschaftliche Nachweis, dass eine solche Regelung die Zahl der postmortalen Organspenden tatsächlich erhöht“, so Pilsinger. Er tritt dafür ein, dass die Kernprinzipien der Organspende weiterhin Aufklärung, Freiwilligkeit und die individuelle Entscheidung des Einzelnen bleiben müssen. Pilsinger und seine Mitstreiter haben hierzu einen eigenen Entwurf vorgelegt, der auf eine stärkere Informationsvermittlung setzt.
Die Forschung zur Wirksamkeit der Widerspruchslösung liefert gemischte Ergebnisse. Eine Studie aus dem Jahr 2014 deutete auf einen Anstieg von Leber- und Nierentransplantationen durch das Opt-out-Verfahren hin. Eine aktuellere Untersuchung aus dem Jahr 2024 stellt jedoch fest, dass eine Umstellung allein nicht automatisch zu mehr Spendern führt. Hier seien zusätzliche Aufklärungskampagnen und Maßnahmen nötig, um auch die Angehörigen zu berücksichtigen. Eine Studie, die für 2025 erwartet wird, warnt zudem davor, dass die Widerspruchslösung die Bereitschaft zu Lebendspenden beeinträchtigen könnte.

