Wackelige Strategie der Bahn-Spitze
Die Kritik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) an den Umbauplänen von Bahn-Chefin Evelyn Palla wiegt schwer. In einem Schreiben an Palla und ihren Personalvorstand Martin Seiler äußern der stellvertretende EVG-Vorsitzende Kristian Loroch und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von DB Services, Caner Cengiz, deutliche Sorgen. Zwar habe Palla angekündigt, den Konzern „auf links drehen“ zu wollen, doch bisher fehle ein „erkennbares Zielbild“.
Besonders die defizitäre Konzerntochter DB Services gerät dabei ins Zentrum der Auseinandersetzung. Ursprünglich zum Verkauf stehend, dann doch nicht, sollten nun Geschäftsbereiche in DB Regio und DB Fernverkehr integriert werden. Nach monatelanger Beschäftigung mit dem Thema erhielten Betriebsrat und Gewerkschaft nun die Mitteilung, man habe sich „verrechnet“ oder „verplant“. Die geplante Aufteilung sei unwirtschaftlich und operativ kaum umsetzbar, so Loroch und Cengiz.
„Droht wieder die Rolle rückwärts ins Ungewisse“
Die Verunsicherung bei den Beschäftigten sei „massiv“, schreiben die Vertreter von EVG und Betriebsrat. Nach einer vermeintlichen Einigung drohe nun erneut eine Kehrtwende. Es sei „unredlich“, die Arbeitsplätze durch „Verunsicherung und Planlosigkeit“ aufs Spiel zu setzen. Die Gewerkschaft fordert, dass sich der Vorstand zunächst auf die Entwicklung eines klaren Zielbilds und einer strategischen Ausrichtung konzentriert, bevor deren Machbarkeit geprüft wird.
Für kommenden Montag hat Palla eine Vorstandsklausur angesetzt, um die verschiedenen Zielbilder zu einem schlüssigen Gesamtkonzept zu bündeln. Für Kristian Loroch kommt dieser Schritt spät. Er spricht von einem „Organversagen“ des Vorstands, das sich aus der Ära Lutz fortsetze. Der Vorstand als Ganzes müsse nun Verantwortung übernehmen.

