418 Betriebsräte berichten über Beschäftigung und Investitionen
In 33 Prozent der von IG Metall Baden-Württemberg befragten Betriebe geht die Zahl der Beschäftigten in der Stammbelegschaft zurück. Einen Aufbau melden 20 Prozent. Auch bei der Ausbildung überwiegt der Rückgang: In 45 Prozent der Betriebe sinkt die Zahl der Auszubildenden, nur vier Prozent verzeichnen einen Zuwachs.
Die Angaben stammen aus einer Betriebsrätebefragung, an der sich Vorsitzende aus 418 baden-württembergischen Betrieben beteiligten. Erfasst wurden Unternehmen aus den Branchen der Gewerkschaft, darunter die Metall- und Elektroindustrie, Stahl, Handwerk sowie Textilbereiche. Die Befragung lief vom 27. Juli bis 16. September 2026.
45 Prozent bewerten die nächsten Monate negativ
Bei Umsatz, Kapazitätsauslastung, Auftragsbestand und Auftragseingang erkennen die befragten Betriebsräte nach Angaben der Gewerkschaft eine leichte Aufhellung. Die Erwartungen bleiben dennoch gedämpft: Knapp 45 Prozent beurteilen die Aussichten für die kommenden drei bis sechs Monate als schlecht oder sehr schlecht.
Die Zahlen bilden Einschätzungen von Betriebsratsvorsitzenden ab und sind keine amtliche Konjunkturstatistik. Sie geben einen Einblick in die Lage jener Betriebe, die an der halbjährlichen Erhebung teilgenommen haben. Repräsentativität für sämtliche Unternehmen in Baden-Württemberg weist die Veröffentlichung nicht aus.
Mehrheit hält Investitionen für unzureichend
56 Prozent der Befragten bewerten die Investitionslage in ihrem Betrieb als schlecht oder sehr schlecht. 57 Prozent halten die Investitionen für nicht ausreichend, um Herausforderungen wie Digitalisierung, klimaverträglichen Umbau und neue Produktionstechnologien zu bewältigen. Rund ein gutes Drittel bezeichnet das Investitionsniveau als angemessen.
Mehr als 90 Prozent der Betriebsräte sehen erhöhten Anpassungsdruck auf die Geschäftsmodelle. Eine überzeugende Transformationsstrategie erkennen knapp 50 Prozent zumindest teilweise; 42 Prozent sehen keine solche Strategie.
KI erleichtert Arbeit – zugleich werden Stellenfolgen beobachtet
Fast die Hälfte der Befragten berichtet, dass künstliche Intelligenz bislang nicht oder kaum eingesetzt wird. In Betrieben mit KI-Anwendungen beobachten drei Viertel eine Erleichterung der Arbeit. Gleichzeitig melden 38 Prozent einen eher beschäftigungsabbauenden Effekt.
Die beiden Werte beziehen sich auf Wahrnehmungen der befragten Betriebsräte. Aus ihnen lässt sich weder ableiten, wie viele Stellen landesweit durch KI weggefallen sind, noch welcher Anteil der Veränderungen ausschließlich auf die Technologie zurückzuführen ist.
Gewerkschaft ordnet Ergebnisse vor der Tarifrunde ein
IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch verbindet die Ergebnisse mit der Forderung nach Investitionen in Produkte, Qualifizierung, Beschäftigung und Standorte. Die vollständigen Zahlen und die gewerkschaftliche Einordnung stehen in der Originalveröffentlichung von IG Metall Baden-Württemberg.
Die Aussagen erscheinen im Vorfeld der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Die Erhebung zeigt damit sowohl betriebliche Einschätzungen als auch die Position der Arbeitnehmerseite; eine Arbeitgeberbefragung war nicht Bestandteil dieser Veröffentlichung.





