Irreale Mathematik für Innovationen
Pascal Soriot, der Chef des fünftgrößten Pharmakonzerns der Welt, sprach im „Handelsblatt“ Klartext: „Das ist wirklich keine Drohung. Wir werden dafür attackiert werden, aber wir haben keine andere Wahl.“ Mit dem Verzicht auf den deutschen Markt und andere europäische Länder reagiere man auf die geplanten Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen und den aus den USA kommenden Preisdruck. „Das ist pure Mathematik. Die finanziellen Auswirkungen auf das Geschäft sind einfach zu groß“, begründete Soriot die Entscheidung.
Massive Kritik am Sparpaket
Scharfe Kritik äußerte der Manager am von der Bundesregierung geplanten Sparpaket für die gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Die Umsetzung dieser Maßnahmen in Deutschland, so Soriot, werde den Zugang zu Innovationen einschränken, Arbeitsplätze gefährden und die Abhängigkeit von China und den USA vergrößern. Er warnte: „Wenn die deutsche Politik den Sparvorschlag umsetzt, wird die USA mit der Entscheidung nicht glücklich sein – das wird auch Konsequenzen für ein mögliches EU-US-Abkommen für Medikamentenpreise haben.“
Europa droht, Abhängigkeit wächst
Langfristig drohe Europa an Bedeutung zu verlieren und stärker von Importen abhängig zu werden. „Wenn nichts passiert, wird Europa diese Industrie verlieren – so wie es bereits die Technologiebranche und die Autoindustrie verloren hat“, gab Soriot zu bedenken.
Die Bundesregierung habe mit ihren Plänen das Vertrauen der Branche in den Standort Deutschland verspielt. „Zahlreiche Pharmaunternehmen, die in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in Deutschland getätigt haben, sind enttäuscht, weil sie dachten, Deutschland bewege sich in die richtige Richtung“, sagte Soriot.
In den kommenden Tagen sollen Gespräche im Kanzleramt stattfinden. Neben Soriot werden auch Thomas Schinecker, Chef des Schweizer Konkurrenten Roche, und weitere Pharmamanager anwesend sein.

