Lange Auseinandersetzung kulminiert in Rückzug
Rüdiger Lucassen hat seinen Posten als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion geräumt. Demnach informierte er die Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla in einem Schreiben über seine Entscheidung. Zuvor wurde offenbar innerhalb der Fraktion über seine Ablösung beraten und eine Abstimmung im zuständigen Arbeitskreis angesetzt.
Berichten zufolge lagen Anträge zur Abwahl vor, in denen von „Vertrauensverlust“, „Alleingängen“ und einem „Führungsdefizit“ die Rede war. Mit seinem Rücktritt kam Lucassen dieser Maßnahme offenbar zuvor.
Landtagswahlen als Begründung
Im Schreiben begründe Lucassen seinen Schritt mit den bevorstehenden Landtagswahlen. Er wolle die Erfolgsaussichten der Partei in diesem wichtigen Wahlkampf nicht durch langwierige Personaldebatten belasten. Die Debatte um seine Positionen sei zuletzt in eine „Freund-Feind-Spirale“ geraten, so Zitate aus dem Schreiben. Dies sei für ihn nicht mehr tragbar gewesen.
Flügelkampf um die Verteidigungspolitik
Der Rücktritt gilt als Höhepunkt eines monatelangen Machtkampfes innerhalb der AfD, der vor allem um die Ausrichtung der Verteidigungspolitik entbrannt war. Lucassen vertrat dabei eher einen westdeutsch geprägten Flügel, der für eine starke Bundeswehr, Wehrpflicht und einen staatstragenden Kurs eintrat. Demgegenüber standen vor allem ostdeutsche Landesverbände, die die AfD stärker als Friedenspartei positionieren wollten.
Die Sorge, dass ein klarer Standpunkt zur Wehrpflicht den Wahlkampf für die Landtagswahlen 2026 in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt beeinträchtigen könnte, soll ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Lucassen bleibt trotz seines Rückzugs von der Sprecher-Position weiterhin Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion.

