Bouffier: CDU braucht Kompromissfähigkeit
Der ehemalige hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat deutliche Kritik am Kurs seines Parteivorsitzenden und potenziellen Kanzlerkandidaten Friedrich Merz geübt. Laut einem Bericht der FAZ bezeichnete Bouffier Merz als „Opfer seiner eigenen Ankündigungspolitik“. Es sei grundsätzlich ein Fehler gewesen, mit dem Anspruch als CDU-Vorsitzender „alles anders machen zu wollen“.
Diese Strategie habe auf der einen Seite hohe Erwartungen bei den eigenen Anhängern geschürt, die nun nur enttäuscht werden könnten. Auf der anderen Seite hätten sich jene Wähler abgewandt, die die moderate, auf Kompromisse ausgerichtete Politik der CDU unter Angela Merkel geschätzt hätten.
Nach den langen Jahren in Koalitionsregierungen und den daraus resultierenden Kompromissen habe nach Merkels Abschied ein „Überdruck in der Partei“ geherrscht, so Bouffier. Dies habe zu dem Missverständnis geführt, dass „CDU pur“ die Lösung sei – ein Wunsch nach programmatischer Reinheit, der aber für Regierungsverantwortung ungeeignet sei. Die Fähigkeit zum Regieren und zur Kompromissfindung sei ein zentraler Bestandteil des CDU-Selbstverständnisses, betonte der frühere Ministerpräsident. „Wenn Sie ein Land führen wollen, müssen Sie kompromissfähig sein“, sagte er. Eine Partei, die ihren Erfolg ausschließlich an der Umsetzung ihres Wahlprogramms messe, sei besser in der Opposition aufgehoben.
Auch Radtke kritisiert „CDU pur“
Auch Dennis Radtke, der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), äußerte sich kritisch zum Kurs der Parteiführung. Die Botschaft von „CDU pur“, die im und nach dem Wahlkampf 2025 verbreitet worden sei, habe nicht einmal für 30 Prozent der Wählerstimmen gereicht. Aktuell stehe die Union in den Umfragen sogar noch schlechter da.
Radtke erinnerte daran, dass die Union von ihrem Gründungsverständnis her stets mehr gewesen sei als nur konservativ. Der Markenkern sei nicht das Konservative an sich, sondern das christliche Menschenbild. Das Erfolgsrezept der CDU über Jahrzehnte sei die Fähigkeit gewesen, unterschiedliche Strömungen innerhalb der Partei, wie die der CDA oder der Mittelstandsvereinigung (MIT), zusammenzubringen. „Die Union ist von ihrem Selbstverständnis her eine Kompromissmaschine“, so Radtke.




