Niinistö sieht Dialogbedarf jenseits des Ukraine-Kriegs
Finnlands langjähriger Staatschef Sauli Niinistö, der Wladimir Putin in seiner Amtszeit persönlich gut dutzend Male traf, hat sich im Interview mit dem Magazin „Stern“ zu den Aussichten auf Verhandlungen im Ukraine-Konflikt geäußert. Niinistö glaubt, dass der russische Präsident durchaus gesprächsbereit sei, jedoch signalisiere Putin dies in einer unmissverständlichen Weise: „Ich bin bereit zu reden, aber denkt nicht, dass ich schwach bin.“
Niinistö mahnte zur Vorsicht und betonte die Notwendigkeit, Putins Worte und Taten kritisch zu hinterfragen. Insbesondere mit Blick auf die jüngsten schweren Angriffe auf die Ukraine und den Test einer neuen Langstreckenrakete „Sarmat“ fügte er hinzu: „Er hat vielleicht etwas im Kopf, das sich mit dem Krieg und dem Frieden in der Ukraine befasst, aber zugleich will er seine Macht unter Beweis stellen.“
Der ehemalige Präsident plädierte explizit für Verhandlungen mit Moskau über die zukünftige Sicherheitsarchitektur in Europa. Dies sei ein Thema, das weit über den aktuellen Ukraine-Krieg hinausgehe und bei dem Europa eine zentrale Rolle spielen müsse. Ein weiteres Schlüsselthema für solche Gespräche, so Niinistö, sei die hybride Kriegsführung. Er sieht hierin ein vergleichbar großes Gefahrenpotenzial wie einst in der atomaren Aufrüstung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Um eine weitere Eskalation zu verhindern, sei eine dringende Verhandlung über Abkommen zur Begrenzung dieser Form der Kriegsführung unerlässlich. „Wir müssen mit Russland dort hinkommen, wo die beiden Supermächte ab den 50er-Jahren mit den Atomwaffen gekommen sind“, so Niinistö. Die Möglichkeit, als europäischer Vermittler zu fungieren, schließt Niinistö ebenfalls nicht aus, eine Rolle, die Experten dem Finnen immer wieder zuschreiben.



