Mehr als nur beißender Geruch
Jahrzehntelang galt die Ameisensäure als Hauptbestandteil des Sprühgifts von Ameisen wie der Rossameise oder der heimischen Waldameise. Seit ihrer Entdeckung im 17. Jahrhundert wurde sie als das nahezu alleinige Wirkprinzip betrachtet. Doch aktuelle Forschungsergebnisse brechen mit dieser Annahme. Ein deutschlandweites Wissenschaftsteam hat nun nachgewiesen, dass das säurehaltige Gemisch ein ausgeklügelter Cocktail ist, der eine Vielzahl von Peptiden und weiteren bioaktiven Substanzen enthält.
Hygiene im Ameisenstaat
Diese neu entdeckten Peptide spielen offenbar eine entscheidende Rolle bei der Nesthygiene. Die Ameisen träufeln ihre Brut gezielt mit dem selbst produzierten Gift ein. Nach dem Verdunsten der Ameisensäure verbleiben die Peptidkomponenten auf den Puppen und schützen sie so vor Infektionen. Insbesondere gegen Pilze zeigen diese Substanzen eine bemerkenswerte Resistenz.
Vielfältige Funktionen bestätigt
Die Forschung bestätigt, dass das Gift der Schuppenameisen – zu denen auch die bekannten Waldameisen zählen – weit mehr kann, als nur Feinde abzuwehren. Es dient der Desinfektion, beeinflusst die Darmflora der Ameisen und spielt eine Rolle bei der internen Kommunikation. Die beteiligten Forscher zogen für ihre interdisziplinäre Studie Experten aus Biologie, Chemie und Pharmazie hinzu. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden jüngst im renommierten Fachmagazin Science Advances veröffentlicht.




