Mehr Produktion nach Europa holen

EU will Arzneimittelproduktion stärken

EU will Arzneimittelproduktion stärken

Archivbild: Aufgezogene Spritzen deuten die Notwendigkeit einer zuverlässigen Medikamentenversorgung an.

Die Europäische Union will ihre Abhängigkeit von Medikamentenimporten spürbar verringern. EU-Vertreter einigten sich auf Maßnahmen zur Förderung strategischer Produktionsprojekte in Europa. Ziele sind die Schaffung, Modernisierung und Erweiterung von Kapazitäten für lebenswichtige Medikamente wie Antibiotika und Impfstoffe. Unternehmen, die dabei auf EU- oder nationaler Ebene finanzielle Hilfe erhalten, sollen künftig den europäischen Markt priorisieren.

Keine leeren Regale mehr?

Brüssel will dafür sorgen, dass Europa im Notfall genügend Medikamente vorrätig hat. Nach langen Verhandlungen haben sich die Unterhändler der EU-Staaten und des Parlaments auf einen gemeinsamen Kurs geeinigt. Die Idee: Bestimmte Arzneimittel, die als besonders wichtig gelten, sollen künftig verstärkt hierzulande und in den EU-Ländern hergestellt werden.

Dazu zählen ganz klar Antibiotika, Insulin und Impfstoffe. Aber auch Medikamente gegen seltene Krankheiten oder solche, bei denen es im Ausland bereits spürbare Lieferengpässe gab, sollen von den neuen Regelungen profitieren.

Strategische Projekte gefördert

Um diese Ziele zu erreichen, sollen sogenannte „strategische Projekte“ identifiziert werden. Unternehmen, die in solche Projekte investieren und dafür finanzielle Unterstützung erhalten, verpflichten sich im Gegenzug dazu, den EU-Markt vorrangig zu beliefern. Das soll die Versorgungssicherheit deutlich erhöhen.

Zusätzlich sollen bei öffentlichen Ausschreibungen künftig strengere Regeln gelten. Auftraggeber in der EU sollen stärker dazu angehalten werden, ihre Bezugsquellen für kritische Arzneimittel und deren Wirkstoffe zu diversifizieren. Kommt es zu Engpässen, könnte die EU-Kommission auf Antrag von mindestens fünf Mitgliedstaaten sogar eigene Vergabeverfahren einleiten.

Patienten im Fokus

Der kroatische EU-Abgeordnete Tomislav Sokol, der federführend an den Verhandlungen beteiligt war, zeigte sich zufrieden. „Mit der heutigen Einigung stellen wir die Interessen der Patienten klar in den Mittelpunkt“, erklärte er. „Wir stärken die Widerstandsfähigkeit Europas und fördern die Wettbewerbsfähigkeit unseres Pharmasektors.“ Konkret sollen gemeinsame Beschaffungsmaßnahmen und die Stärkung der heimischen Produktion Engpässen entgegenwirken und für eine bessere Versorgungssicherheit sorgen.

Bevor die neuen Regeln aber tatsächlich in Kraft treten können, müssen sowohl das EU-Parlament als auch der Rat noch formell zustimmen. Die Einigung ist ein wichtiger Schritt, um Europa unabhängiger von globalen Lieferketten zu machen.

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

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