Naturschutz in Baden-Württemberg

Riesen-Zuwachs: Biosphärengebiet Schwäbische Alb wächst um 40 Prozent

Riesen-Zuwachs: Biosphärengebiet Schwäbische Alb wächst um 40 Prozent

Fito: Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Geschäftsstelle)

Das UNESCO-Schutzgebiet im Süden Stuttgarts wird deutlich größer und zählt nun sechs neue Gemeinden sowie tausende zusätzliche Einwohner. Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist seit dem 15. April 2026 offiziell gewachsen: Die Fläche vergrößert sich um rund 40 Prozent auf insgesamt 121.445 Hektar.

Ein Meilenstein für den Naturschutz

Die Zahlen hinter der Erweiterung sind beeindruckend. Nicht nur die Fläche nimmt massiv zu, auch die Zahl der betroffenen Menschen steigt sprunghaft an. Lebten bisher rund 146.000 Menschen in der Gebietskulisse, sind es nun etwa 265.000 Einwohner – ein Plus von über 80 Prozent.

Umweltministerin Thekla Walker sieht darin eine große Chance für die Region. In einem offiziellen Statement betont sie: „Mit der Erweiterung des Biosphärengebiets wird das Großschutzgebiet noch größer, noch stärker, noch lebendiger. Hier können wir gemeinsam Modelle für den Erhalt der Landschaft und der Artenvielfalt, den Umgang mit dem Klimawandel oder auch eine zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft entwickeln.“

Sechs neue Gemeinden sind jetzt dabei

Der Zuwachs ist das Ergebnis eines über zweijährigen Prozesses. Insgesamt 36 Städte und Gemeinden bilden nun das Herzstück der Modellregion. Sechs Kommunen sind komplett neu beigetreten: Allmendingen, Blaubeuren, Engstingen, Hohenstein, Rechtenstein und Sonnenbühl. Zudem haben 16 bereits beteiligte Kommunen weitere Flächen in das Projekt eingebracht.

Das Gebiet erstreckt sich nun von Dettingen unter Teck im Norden bis nach Zwiefalten im Süden. Im Westen markiert Reutlingen die Grenze, während Blaubeuren den östlichen Punkt bildet. Besonders stark wächst die sogenannte Pflegezone: Sie vergrößert sich von bisher rund 5.000 Hektar auf nun über 40.000 Hektar.

„Keine Selbstverständlichkeit in diesen Zeiten“

Der Weg zur Erweiterung war von intensiver Bürgerbeteiligung geprägt. In mehr als 100 Veranstaltungen und Workshops wurden Bedenken diskutiert und Ideen gesammelt. Klaus Tappeser, Regierungspräsident und Vorsitzender des Lenkungskreises, zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis.

Tappeser betont: „Ich bin sehr stolz auf alle Beteiligten, die die Erweiterung des Biosphärengebiets im Konsens gemeinsam erreicht haben. Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist das keine Selbstverständlichkeit.“ Auch Dr. Ulrich Fiedler, Landrat und Vorsitzender des Vereins Biosphärengebiet, freut sich über die neuen Impulse durch zusätzliche engagierte Bürger.

Warten auf den UNESCO-Stempel

Obwohl die Landesverordnung bereits in Kraft ist, steht ein wichtiger Schritt noch aus. Da die Schwäbische Alb seit 2009 als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt ist, muss die Weltkulturorganisation die Erweiterung nun formell prüfen. Dieser Prozess läuft aktuell.

Das Ziel bleibt dabei unverändert: Das Miteinander von Mensch und Natur. Seit der Gründung im Jahr 2008 wurden bereits über 640 nachhaltige Modellprojekte umgesetzt. Jährlich fließen im Schnitt 1,9 Millionen Euro in die nachhaltige Entwicklung der Region – Geld, das nun einer deutlich größeren Fläche und mehr Menschen zugutekommt.

Was die Erweiterung konkret bedeutet

Für die Bewohner und die Landwirtschaft vor Ort geht es vor allem darum, Wirtschaften und Naturschutz zu vereinen. Die Kernzone, in der die Natur sich selbst überlassen bleibt, wächst moderat um rund 1.000 Hektar. Der größte Teil des Zuwachses entfällt auf Zonen, in denen eine nachhaltige Nutzung ausdrücklich erwünscht ist.

Das Biosphärengebiet bleibt damit ein lebendiges Labor für die Zukunft. Es zeigt, dass moderner Naturschutz nicht gegen die Bevölkerung, sondern nur mit ihr funktioniert. Mit der nun fast verdoppelten Einwohnerzahl wird dieser Beweis auf einer völlig neuen Ebene angetreten.

Merh Infos unter www.biosphaerengebiet-alb.de

Quelle
  • Biosphärengebiet Schwäbische Alb

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