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Ein riskanter Doppelschlag für Patienten?

US-Preisdiktat und Zölle: Pharma-Industrie warnt vor „toxischem Gebräu“ für unsere Arzneimittelversorgung

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie kritisiert die jüngste Entscheidung der US-Regierung zur Einführung eines Most-Favoured-Nation-Preismodells (MFN) für Arzneimittel

Foto: ©BPI/Shutterstock / Tomas Ragina

Ein neuer Plan der US-Regierung zur Preisgestaltung von Medikamenten versetzt die deutsche Pharmaindustrie in höchste Alarmbereitschaft. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnt eindringlich vor den Konsequenzen des sogenannten „Most-Favoured-Nation“-Preismodells (MFN), das Washington einführen will. In Kombination mit den kürzlich beschlossenen transatlantischen Zöllen könnte dies schwerwiegende Folgen für die Medikamentenversorgung in Deutschland und Europa haben.

Das MFN-Modell sieht vor, die Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel in den USA an die niedrigsten Preise in vergleichbaren Industrienationen zu koppeln. Was für US-Patienten zunächst nach einer Entlastung klingt, birgt laut Experten erhebliche globale Risiken.

„Wir sehen mit großer Sorge, dass die MFN-Preisbindung nicht nur den freien Wettbewerb gefährdet, sondern die globale Arzneimittelversorgung ins Wanken bringen könnte“, erklärt Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des BPI. Die Logik dahinter ist simpel und zugleich brisant: Wenn Hersteller gezwungen werden, ihre Preise für den riesigen US-Markt an den niedrigsten europäischen Niveaus auszurichten, könnten sie sich aus Märkten mit ohnehin schon niedrigen Preisen zurückziehen. „Damit stehen diese Märkte auf dem Spiel – mit voraussichtlich schwerwiegenden Folgen für den Zugang von Patientinnen und Patienten zu Innovationen“, so Joachimsen.

Versorgung in Europa könnte sich verzögern

Die Befürchtung ist konkret: Pharmaunternehmen könnten die Einführung neuer, innovativer Arzneimittel in Europa bewusst verzögern oder sogar ganz darauf verzichten, um zu verhindern, dass die hiesigen Preise als Referenz für den US-Markt herangezogen werden. „Werden europäische Preise zum Maßstab für den weltweit größten Pharmamarkt, hat das zwangsläufig Rückwirkungen auf die Einführung innovativer Arzneimittel in Europa“, warnt Joachimsen.

Verschärft wird die Lage durch die erst letzte Woche vereinbarten pauschalen Zollsätze von 15 Prozent zwischen der EU und den USA. Dieser Schritt verteuert nicht nur den direkten Handel, sondern belastet über höhere Kosten für Vorprodukte und Verpackungen die gesamte Lieferkette.

„Dass nun sowohl Zölle als auch regulatorische Eingriffe gleichzeitig greifen, ist ein riskanter Doppelschlag für unsere Industrie“, betont der BPI-Hauptgeschäftsführer. „In Kombination mit MFN-Mechanismen wird daraus ein toxisches Gebräu für unsere Unternehmen und die Arzneimittelversorgung auf beiden Seiten des Atlantiks.“

Appell an die Politik: Gesundheit ist strategisches Gut

Der BPI fordert die Politik auf, die strukturellen Risiken ernst zu nehmen und den Pharmastandort Europa zu stärken. Dies schließe auch Reformen bei den über 30 Preisregulierungsinstrumenten in Deutschland ein, die die Unternehmen bereits heute belasten. Die zentrale Botschaft des Verbandes ist ein eindringlicher Appell.

„Unsere Industrie braucht Planungssicherheit, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und einen politischen Kompass, der die Gesundheitsversorgung als strategisches Gut begreift“, schließt Joachimsen. „Gesundheit darf niemals zum Kollateralschaden wirtschaftspolitischer Maßnahmen werden – weder durch Zölle noch durch internationale Preisdiktate.“

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