Schlimmste Verwerfungen seit dem Krieg
Die Welthandelsorganisation (WTO) erlebt nach Ansicht ihrer Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala die schwersten Verwerfungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. „Wir erleben gerade die schlimmsten Verwerfungen der letzten 80 Jahre“, sagte die nigerianische Ökonomin der „Welt“.
Mehrheit hält Regeln ein
Trotz dieser dramatischen Einschätzung seien dennoch weiterhin fast drei Viertel des weltweiten Warenaustauschs regelkonform nach den Vorgaben der WTO abgewickelt worden. „Die große Mehrheit der Mitglieder wendet unser Regelwerk an“, betonte Okonjo-Iweala. „Nicht alles ist kaputt.“
USA als Motor für Wandel?
Angesprochen auf die Handelspolitik des früheren US-Präsidenten Donald Trump, der Zölle gegen viele Länder verhängt und dabei WTO-Regeln missachtet hatte, verteidigte Okonjo-Iweala die Haltung der USA. Sie sieht das Land gar als einen Motor für notwendige Veränderungen innerhalb der WTO. „Wir schätzen die USA als Mitglied und freuen uns, dass sie dabei sind“, sagte sie. „Und es ist doch gut, wenn die WTO-Staaten nun – anders als vielleicht zuvor – bereit sind, schwierige Reformen anzupacken.“
Reformvorschläge für mehr Handlungsfähigkeit
Die WTO wird derzeit teilweise von den USA blockiert. Okonjo-Iweala hat sich zum Ziel gesetzt, die Organisation wieder handlungsfähiger zu machen. Eine Idee sei, dass sich einzelne Mitglieder verstärkt zu „Koalitionen der Willigen“ zusammenschließen. Dabei handele es sich um Gruppen innerhalb der WTO, die gemeinsam neue Regeln entwickeln und somit Entscheidungen treffen könnten.


