Iran-Konflikt bremst Konjunktur

Wirtschaftsverbände dämpfen Wachstumsprognosen

Wirtschaftsverbände dämpfen Wachstumsprognosen
Foto: Container (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Deutsche Wirtschaftsforscher blicken wegen des eskalierenden Konflikts im Iran und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Energiepreise besorgt in die Zukunft. Ihre bisherigen Wachstumsprognosen müssen sie nun nach unten korrigieren. Die Unsicherheit über die Dauer und Intensität des Krieges bestimmt das Ausmaß der zu erwartenden Eintrübung.

Unsicherheit über Energiepreise trübt Aussichten

Die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute bereiten sich auf die Senkung ihrer Konjunkturprognosen vor. Grund dafür ist die jüngste Eskalation im Iran, die den Öl- und Gasmarkt weiter destabilisiert. Ökonomen verschiedener führender Institute wie Ifo, IMK, RWI und IW Köln äußerten sich gegenüber „Politico“ besorgt über die zu erwartenden Effekte auf das Bruttoinlandsprodukt.

Die geschätzten Einbußen bewegen sich je nach Dauer des Konflikts zwischen 0,2 und 1,0 Prozentpunkten. Ifo-Ökonom Timo Wollmershäuser rechnet derzeit mit einer Inflationsrate von 2,5 Prozent, sollte sich der Öl- und Gaspreis bald wieder beruhigen. Das würde das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf dann 0,8 Prozent verlangsamen. Für 2025 wird mit 1,2 Prozent Wachstum gerechnet.

Dauerhaft hohe Energiepreise belasten stark

Sollten die Preise für fossile Energien jedoch längerfristig auf hohem Niveau verharren, sieht das Ifo ein Inflationsrisiko von bis zu 3 Prozent. Das würde das Wachstum in diesem Jahr auf 0,6 Prozent und im nächsten Jahr auf 0,8 Prozent drücken.

Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) teilt diese Einschätzung. Vor dem Kriegsausbruch gab es noch Bestrebungen, die Wachstumserwartung für 2026 anzuheben. Diese Tendenz sei nun vorbei. Bei einem schnellen Rückgang des Ölpreises unter 100 Dollar pro Fass seien die Folgen begrenzt. Bei längeren Unterbrechungen der Energieversorgung durch den Konflikt sei jedoch ein starker Energieschock denkbar, der die Erholung in Deutschland zum Erliegen bringen könnte.

Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) verdeutlicht die potenziellen Langzeitfolgen: Bei einem Ölpreis von 100 bis 150 Dollar über zwei Jahre könnte das deutsche BIP im Jahr 2027 um 0,6 bis 1,0 Prozent niedriger ausfallen als ohne diese Preissteigerung.

Torsten Schmid vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) äußert sich etwas zuversichtlicher. Bleiben die Energiepreise bis Ende März auf aktuellem Niveau und sinken danach moderat, erwartet er für 2026 einen negativen Effekt auf das BIP von rund 0,2 Prozentpunkten.

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)