Modestes Wachstum erwartet

Wirtschaftsinstitute sehen „überschaubare Dämpfer“ durch Nahost-Konflikt

Wirtschaftsinstitute sehen „überschaubare Dämpfer“ durch Nahost-Konflikt
Foto: Hamburger Hafen (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Die fünf führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute bewerten die ökonomischen Folgen des Nahost-Konflikts unterschiedlich. Vorläufige Schätzungen deuten auf eine leichte Belastung des deutschen Wirtschaftswachstums hin, die jedoch die moderate Erholung nicht abwürgen dürfte. Auch höhere Inflationsraten werden erwartet, aber die unmittelbaren Auswirkungen gelten als nicht gravierend, solange der Konflikt zeitlich begrenzt bleibt.

Krieg im Nahen Osten belastet deutsche Wirtschaft

Die fünf großen Wirtschaftsforschungsinstitute haben die potenziellen Auswirkungen eines Krieges im Nahen Osten auf die deutsche Wirtschaft beleuchtet. Die Einschätzungen fallen dabei unterschiedlich aus, doch ein gemeinsames Bild zeichnet sich ab: Die direkten Folgen sind nach derzeitigem Stand beherrschbar.

Wachstumseinbußen erwartet

Das Ifo-Institut in München und das RWI in Essen prognostizieren in vorläufigen Schätzungen, dass der Konflikt das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um knapp 0,2 Prozentpunkte dämpfen könnte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin rechnet mit einem Minus von 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten. Angesichts eines erwarteten Gesamtwachstums von rund einem Prozent sind diese Effekte laut den Instituten nicht stark genug, um die aufkeimende Erholung abzuwürgen.

Inflation zieht leicht an

DIW und RWI gehen zudem davon aus, dass die Inflationsrate in diesem Jahr um 0,4 oder 0,5 Prozentpunkte höher ausfallen wird. Das Ifo-Institut setzt eine vorläufige Erhöhung um 0,2 Prozentpunkte an. Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel verdeutlicht: „Ausweislich der bisherigen Reaktionen an den Energiemärkten sind die unmittelbaren Folgen für die deutsche Wirtschaft nicht gravierend, sofern der Konflikt auf wenige Monate beschränkt bleibt.“

Kooths spricht von „überschaubaren Dämpfern“, die bisher keinen Anlass zu nennenswerten Revisionen der Konjunkturaussichten geben. Auch Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hält trotz des Krieges an der Einschätzung einer „fragilen Erholung“ fest und sieht die Energieversorgung aktuell weniger als Problem.

Kostenschock im Vordergrund

Die Konjunkturexperten sehen den Konflikt im Nahen Osten derzeit primär als einen Kostenschock. Kritisch werde es erst, wenn sich daraus ein „echter Öl- und Transportschock“ entwickelt, beispielsweise durch eine längerfristige Beeinträchtigung der Straße von Hormus. Sollten die Rohöl- und Erdgaspreise nur kurzfristig auf dem erhöhten Niveau verharren, da der Konflikt schnell beigelegt wird, blieben die Auswirkungen auf Deutschland voraussichtlich gering, so Timo Wollmershäuser vom Ifo-Institut.

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)