EZB-Plan an der Realität vorbei?
Die Europäische Zentralbank (EZB) will mit einem digitalen Euro ab 2029 eine Alternative zum Bargeld schaffen. Nutzer sollen damit einfach Geld senden und in Geschäften bezahlen können. Doch nicht jeder ist begeistert. Martina Weimert, die an der Spitze der European Payments Initiative (EPI) steht, dem Zusammenschluss hinter dem Bezahldienst Wero, sieht erhebliche Probleme.
„Der digitale Euro schafft eine zweite Infrastruktur, die weitgehend noch einmal das Gleiche machen wird und die je nach finalem Design nur teuer für Händler und Banken wird“, kritisierte Weimert gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Sie bemängelt vor allem, dass die Festlegung europäischer Standards jetzt, fünf Jahre nach dem eigentlichen Bedarf, zu spät komme.
Wero als Konkurrent – und doch kooperationsbereit
Wero selbst ist der Versuch europäischer Banken, eine eigene Alternative zu globalen Zahlungsriesen wie Paypal, Mastercard und Visa zu etablieren. Mit über 50 Millionen Kunden europaweit zählt der Dienst bereits zu einer relevanten Größe, auch wenn das Projekt laut Bericht noch rote Zahlen schreibt. Weimert schlug vor, den digitalen Euro als reines Zahlungsmittel zu konzipieren, das aber auf bestehenden Lösungen wie Wero aufbauen oder mit ihnen kooperieren solle.
„Wir können den digitalen Euro den Verbrauchern anbieten, dafür brauchen wir keine neue EZB-App in unseren Märkten“, argumentierte die EPI-Chefin. Sie befürchtet eine geringe Akzeptanz für eine weitere, neue App neben den bereits existierenden.
Händler als Bremsklotz – und Opfer?
Die Einführung von Wero verlief bisher schleppend, insbesondere im stationären Handel ist die Bezahllösung noch kaum präsent. Die Online-Flotte kam ebenfalls nur mühsam in Gang. Weimert zeigte sich enttäuscht von der Planung und dem Vertrauen in Handelsunternehmen und Dienstleister.
Der geplante digitale Euro könnte für private Anbieter wie Wero zu einer noch größeren Herausforderung werden. Steht die finale Abstimmung im EU-Parlament im Juni an, könnten Händler ab 2029 sogar zur Akzeptanz des digitalen Euros verpflichtet werden. Das würde private Zahlungslösungen, die bisher noch auf Freiwilligkeit setzen, stark unter Druck setzen.

