EU-Kommission kritisiert energiepolitische Entscheidung

Von der Leyen: Atomausstieg war „strategischer Fehler“

Von der Leyen: Atomausstieg war „strategischer Fehler“
Foto: Atomkraftwerk (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat den Ausstieg Deutschlands und anderer EU-Länder aus der Atomkraft als schwerwiegenden strategischen Fehler bezeichnet. Bei einem Gipfeltreffen in Paris betonte sie die Bedeutung der Kernenergie als zuverlässige emissionsarme Stromquelle und kündigte eine neue Strategie für kleine modulare Reaktoren an.

Europa verlässt sich zu wenig auf Kernkraft

Die Zeiten, in denen Atomkraft ein Drittel des europäischen Stroms lieferte, sind vorbei. Heute sind es nur noch knapp 15 Prozent. Für EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ist diese Verringerung eine bewusste Entscheidung gewesen, die sich als großer strategischer Fehler für Europa herausstellt. „Einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren“, sei keine weise Richtung gewesen.

Kernkraft und Erneuerbare als Schlüssel

Von der Leyen rief dazu auf, Kernenergie und erneuerbare Energien als komplementäre Säulen der europäischen Energieversorgung zu betrachten. „Dies ist kein Entweder-oder – in Kombination miteinander sind sie am stärksten“, erklärte sie auf einem Kernenergie-Gipfel in Paris. Die EU-Chefin betonte, dass erneuerbare Energien zwar kostengünstig seien, aber durch Volatilität und Abhängigkeit von Wetterbedingungen gekennzeichnet. Hier seien Investitionen in Speicherung, Nachfrageflexibilität und Netzausbau nötig.

Die Kernenergie könne hingegen das ganze Jahr über rund um die Uhr zuverlässigen Strom liefern. „So kombiniert das effizienteste System Kernenergie und erneuerbare Energien und wird durch Speicherung, Flexibilität und Netze untermauert.“

Europa als Leitfigur für neue Reaktorgenerationen

Zudem erinnerte von der Leyen daran, dass Europa einst ein Pionier in der Kerntechnologie war. Sie sieht das Potenzial, diese Führungsrolle erneut einzunehmen. „Kernreaktoren der nächsten Generation könnten zu einem europäischen Hightech-Export von hohem Wert werden“, so die Kommissionschefin. Dies sei ein zentraler Grund für die Zusammenkunft in Paris.

Neue Strategie für kleine modulare Reaktoren

Um dieses Ziel zu erreichen, kündigte von der Leyen eine neue europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren (SMR) an. Diese sollen bis Anfang der 2030er-Jahre einsatzbereit sein. Drei Kernmaßnahmenpakete wurden vorgestellt: Vereinfachung von Regularien, Mobilisierung von Investitionen und Förderung der europäischen Zusammenarbeit. Die Vision ist klar: Europa soll zu einem „globalen Zentrum der Kernenergie der nächsten Generation“ werden.