Lazard ermutigt EU zur Abgrenzung von Washington

US-Bankchef rät Europa zur Eigenständigkeit

US-Bankchef rät Europa zur Eigenständigkeit
Foto: EU-Fahnen (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Angesichts globaler Machtverschiebungen und der US-Politik unter Donald Trump fordert Peter Orszag, Chef der US-Investmentbank Lazard, Europa zu mehr Unabhängigkeit auf. Er sieht Risiken in Trumps erratischem Staatskapitalismus und rät der EU, über den Tellerrand der transatlantischen Beziehungen hinauszublicken.

Europa soll eigenständiges Profil entwickeln

Europa muss sich ernsthafte Gedanken über die politische Volatilität aus Washington machen. Diese deutliche Botschaft sandte Peter Orszag, der das Amerika-Geschäft der renommierten US-Investmentbank Lazard leitet, in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ aus.

Orszag lobte die Idee des kanadischen Premierministers Mark Carney, ein Bündnis der Mittelmächte zu schmieden. „Warum sollte sich die EU nicht der asiatischen Freihandelszone anschließen?“ fragte der Lazard-Chef. Angesichts einer Welt, die sich in klare Machtblöcke wie die USA, China sowie Russland, Iran und Nordkorea aufzuteilen drohe, dürfe Europa nicht ins Hintertreffen geraten, so Orszag am Rande der diesjährigen Münchener Sicherheitskonferenz.

Trump-Politik birgt Risiken

Lazard gilt als Bank mit starkem Fokus auf geopolitische Entwicklungen und regulatorische Fragen. Orszag, der selbst eine Laufbahn in der US-Finanzwelt einschlug, nachdem er unter den demokratischen Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton im Weißen Haus tätig war, warnte ausdrücklich vor den Gefahren des von Donald Trump propagierten „diskretionären Staatskapitalismus“.

Unter Trump hatte die US-Regierung ungewöhnlicherweise Anteile an einzelnen Unternehmen erworben. Orszag kritisierte dabei das Fehlen klarer, transparenter Regeln. Entscheidungen basierten demnach stark auf individuellen Ermessensprüchen und weniger auf einem umfassenden Regelwerk. Dies berge langfristig die Gefahr von erhöhtem Lobbyismus und unangemessenem Verhalten von Firmen, die bei einem „Unfall“ mit erheblichen Verlusten rechnen müssten.

Die Gewaltenteilung in den USA eingeschränkt

Der Lazard-CEO sieht zudem die amerikanischen „Checks and Balances“ geschwächt. Zwar sei die Gewaltenteilung nicht gänzlich abgeschafft, doch die Kontrollmechanismen seien aktuell spürbar reduziert, so Orszag.

Methodik-Hinweis:
insideBW prüft Informationen nach redaktionellen Standards. Wie wir arbeiten? Mehr dazu: Quellen & Methodik .