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Umweltwirtschaft im Südwesten

Umweltschutzwirtschaft in Baden-Württemberg verliert 1,8 Milliarden Euro Umsatz

Baden-Württembergs Umweltschutzwirtschaft hat 2024 erstmals seit 2018 weniger umgesetzt. Besonders stark brach der Bereich Luftreinhaltung ein, während Klimaschutz und Energieeffizienz weiter zulegten.

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Gebäude des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg in Fellbach
Symbolbild: Gebäude des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg in Fellbach
Foto: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Die jahrelange Aufwärtsbewegung ist gebrochen: Baden-Württembergs Betriebe erzielten 2024 mit Gütern und Leistungen für den Umweltschutz rund 17,5 Milliarden Euro Umsatz. Ein Jahr zuvor waren es noch 19,3 Milliarden Euro. Aus den gerundeten Angaben ergibt sich ein Minus von etwa 1,8 Milliarden Euro oder gut neun Prozent.

Hinter dem Rückgang stehen jedoch zwei gegenläufige Entwicklungen. Der Bereich Luftreinhaltung, zu dem die Statistik auch Elektromobilität zählt, verlor besonders deutlich. Beim Klimaschutz stiegen die Umsätze dagegen weiter. Die Zahlen zeigen deshalb keinen gleichmäßigen Abschwung der gesamten Umweltwirtschaft.

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1,4 Milliarden Euro fehlen bei der Luftreinhaltung

Den größten Umsatzverlust meldet das Statistische Landesamt für die Luftreinhaltung. 2024 kamen die Betriebe in diesem Segment auf 3,8 Milliarden Euro. Das waren 1,4 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Rechnerisch entfällt damit der weitaus größte Teil des gesamten Rückgangs auf diesen Bereich.

Welche Produkte, Unternehmen oder Absatzmärkte für das Minus ausschlaggebend waren, lässt sich aus der Pressemitteilung nicht ablesen. Zwar umfasst die Kategorie auch Elektromobilität. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass allein die Lage der Autoindustrie den Einbruch erklärt. Dafür wären detailliertere Daten nach Gütergruppen und Abnehmern nötig.

Klimaschutz steht inzwischen für mehr als die Hälfte des Umsatzes

Anders entwickelte sich der größte Umweltbereich Klimaschutz. Hier stieg der Umsatz um drei Prozent auf 9,3 Milliarden Euro. Gemessen am Gesamtwert von 17,5 Milliarden Euro entfällt damit rechnerisch etwas mehr als die Hälfte der Umweltschutzumsätze auf den Klimaschutz.

Wachstumstreiber war nach Angaben des Landesamts die Verbesserung der Energieeffizienz. Mit entsprechenden Gütern und Leistungen wurden 5,7 Milliarden Euro umgesetzt, knapp drei Prozent mehr als 2023. Allein dieser Teilbereich steht damit ungefähr für ein Drittel des gesamten Umweltschutzumsatzes im Land. Weil die veröffentlichten Milliardenwerte gerundet sind, sind diese Anteile als Größenordnung zu verstehen.

Der Rückgang beendet fünf Jahre Wachstum

Die neue Zahl markiert einen deutlichen Einschnitt, aber keinen Absturz auf das Niveau vor dem jüngsten Boom. 2018 lag der baden-württembergische Umweltschutzumsatz nach einer früheren Auswertung des Landesamts bei 11,8 Milliarden Euro. Bis 2022 stieg er auf 16,9 Milliarden Euro, 2023 folgte der Rekordwert von 19,3 Milliarden Euro. Trotz des Rückgangs liegt das Niveau 2024 damit noch rund 48 Prozent über dem Wert von 2018.

Für 2023 hatte das Landesamt außerdem ausgewiesen, dass rund 60 Prozent des Umsatzes mit inländischen und etwa 40 Prozent mit ausländischen Abnehmern erzielt wurden. Eine entsprechende Aufteilung für 2024 enthält die aktuelle Mitteilung nicht. Offen bleibt daher, ob vor allem das Inlands- oder das Auslandsgeschäft nachgegeben hat.

Was die Statistik zeigt – und was nicht

Erfasst werden Umsätze mit Gütern und Leistungen, die unmittelbar der Vermeidung, Verminderung oder Beseitigung schädlicher Umwelteinflüsse dienen. Dazu gehören unter anderem Abfall- und Abwasserwirtschaft, Lärm- und Luftreinhaltung, Boden- und Gewässerschutz sowie Klimaschutz. Die Umweltschutzwirtschaft ist damit keine einzelne Branche, sondern zieht sich durch Produktion und Dienstleistungen.

Die Umsatzentwicklung sagt nicht automatisch etwas über Gewinne, Auftragsbestände oder Beschäftigung aus. Die zuletzt veröffentlichte detaillierte Landesauswertung wies für 2022 gut 45.000 Beschäftigte aus, die an Umweltschutzgütern und -leistungen arbeiteten. Für 2024 nennt die aktuelle Pressemitteilung keine Beschäftigtenzahl. Auch der jüngste Rückgang der Industriebeschäftigung im Südwesten stammt aus einer anderen Statistik und darf nicht mit dem Umweltumsatz gleichgesetzt werden.

Die nächste Einordnung folgt in Heidelberg

Das Landesamt veröffentlichte die Zahlen unmittelbar vor dem Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaftskongress Baden-Württemberg am 21. und 22. Oktober in Heidelberg. Dort steht die wirtschaftliche Bedeutung von Umweltschutz und Ressourceneffizienz auf der Tagesordnung. Für die Bewertung des Rückgangs bleiben vor allem zwei Punkte offen: welche Teilmärkte die Verluste bei der Luftreinhaltung verursacht haben und wie sich Beschäftigung sowie Exportquote 2024 entwickelt haben.

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Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Pressemitteilung 232/2026; Pressemitteilung 140/2025; Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 3/2025.

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