Die neue Auswertung des Statistischen Landesamts bezieht sich auf den Stichtag Dezember 2025 und wurde am 15. Oktober 2026 veröffentlicht. Damals waren im Südwesten insgesamt rund 4,95 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Gegenüber Dezember 2024 sank ihre Zahl um 0,1 Prozent.
Das Minus ist klein – der historische Bruch nicht
Ein Rückgang um 5.800 Beschäftigte erscheint gemessen an fast fünf Millionen Arbeitsplätzen zunächst gering. Entscheidend ist die Richtung: Zum ersten Mal seit 2020 lag die Gesamtzahl an einem Quartalsstichtag unter dem Vorjahreswert. In den vergangenen 20 Jahren hatte das Landesamt einen solchen Rückgang nur während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 sowie im Corona-Jahr 2020 registriert.
Die Dienstleistungsbereiche schufen zwar noch 36.000 zusätzliche Stellen. Im Produzierenden Gewerbe gingen zugleich 41.900 Arbeitsplätze verloren. Damit reichte das Wachstum außerhalb der Industrie erstmals nicht mehr aus, um deren Rückgang zu kompensieren.
Fünf Branchen tragen 80 Prozent des Industrieabbaus
Besonders stark traf es das Verarbeitende Gewerbe. Dort sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten binnen eines Jahres um 44.300 auf rund 1,31 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von 3,3 Prozent. Trotzdem arbeitete weiterhin mehr als jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Land in diesem Wirtschaftsbereich.
Die größten absoluten Verluste meldet die Statistik für den Kraftwagen- und Kraftwagenteilebau: 12.000 Stellen beziehungsweise 5,5 Prozent fielen weg. Im Maschinenbau waren es knapp 9.100 Arbeitsplätze, bei Metallerzeugnissen 6.300. Die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen verlor 4.500 Stellen, elektrische Ausrüstungen weitere 3.700.
Diese fünf Branchen vereinen 80 Prozent des gesamten Stellenabbaus im Verarbeitenden Gewerbe. Der Befund reicht damit über einzelne angekündigte Sparprogramme hinaus. Nach Angaben des Landesamts verliert die Metallindustrie bereits seit 2020 Beschäftigung; im Fahrzeug- und Maschinenbau verstärkte sich der Abbau seit Anfang 2024.
Gesundheit und Verwaltung schaffen noch Stellen
Das Gegenstück zur Industriekrise findet sich vor allem in Bereichen, die stark von demografischem Bedarf oder öffentlichen Aufgaben geprägt sind. Im Gesundheits- und Sozialwesen kamen 19.800 Beschäftigte hinzu, ein Plus von 2,9 Prozent. Die öffentliche Verwaltung verzeichnete 8.900 zusätzliche Stellen und wuchs damit um 3,0 Prozent.
Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen legten um knapp 3.900 Beschäftigte zu. Prozentual wuchs die Energieversorgung mit 4,6 Prozent am stärksten, allerdings auf deutlich kleinerer Basis: Dort entstanden 1.700 zusätzliche Stellen. Das Landesamt weist zugleich darauf hin, dass das Wachstum der Dienstleistungen bereits seit 2022 an Tempo verliert.
Nicht alle Dienstleistungsbereiche expandierten. Im Handel wurden 5.100 Arbeitsplätze abgebaut. Selbst Information und Kommunikation, lange ein verlässlicher Wachstumsbereich, rutschte mit 700 Stellen weniger leicht ins Minus.
Warum 5.800 und 36.700 kein Widerspruch sind
Ende September hatte insideBW über 36.700 weniger Erwerbstätige im zweiten Quartal 2026 berichtet. Beide Zahlen messen nicht dasselbe. Die neue Auswertung zählt ausschließlich sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und bezieht sich auf Dezember 2025. Die Erwerbstätigenrechnung für das zweite Quartal 2026 umfasst dagegen zusätzlich unter anderem Selbstständige, Beamte und geringfügig Beschäftigte.
Auch die Zeitpunkte unterscheiden sich um ein halbes Jahr. Die Werte dürfen deshalb weder addiert noch als direkte Fortschreibung gelesen werden. Gemeinsam zeigen sie jedoch, dass der Beschäftigungsdruck nicht auf eine einzelne Statistik oder nur einen Industriezweig begrenzt ist.
Aktuelle Monatsdaten zeigen noch keine Beschäftigungswende
Die jüngeren Konjunkturdaten ergeben ein gemischtes Bild. Im August 2026 stiegen in der Südwestindustrie Aufträge, Produktion und Umsatz gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig beschäftigten die erfassten Industriebetriebe noch 28.200 Menschen weniger als im August 2025. Die Einzelheiten stehen im insideBW-Beitrag „Südwestindustrie: Umsatz steigt um 5,8 Prozent – 28.200 Jobs weniger“.
Diese Monatsstatistik erfasst nur Industriebetriebe mit mindestens 50 Beschäftigten und ist daher ebenfalls nicht eins zu eins mit der landesweiten Beschäftigungsstatistik vergleichbar. Sie zeigt aber die offene Kernfrage: Die Produktion hat sich zuletzt erholt, eine belastbare Wende bei den Arbeitsplätzen ist daraus bislang nicht abzulesen.



