Dachzeile: Tatort am Sonntag, 13. September 2026
Einleitung: Nach der ungewöhnlich langen Sommerpause kehrt der „Tatort“ heute Abend mit einer neuen Folge zurück. In „König in Gelb“ gerät Charlotte Lindholm in einen Fall, bei dem ausgerechnet Erinnerungen zum größten Unsicherheitsfaktor werden. Ein vermeintlicher Unfall, ein möglicher siebenfacher Serienmörder und ein Ermittler, der seinem eigenen Gedächtnis nicht mehr trauen kann: Der Saisonauftakt wagt deutlich mehr als einen klassischen Sonntagskrimi. Die ersten Kritiken reichen von deutlicher Enttäuschung bis zu außergewöhnlich großem Lob.
Die ARD führt den Film im Abendprogramm von 20:15 bis 21:45 Uhr. In der ARD Mediathek ist „König in Gelb“ ebenfalls verfügbar; die eigentliche Filmlänge beträgt 88 Minuten und 25 Sekunden. Die Folge ist ab zwölf Jahren freigegeben und wird unter anderem mit Untertiteln, Deutscher Gebärdensprache und Audiodeskription angeboten.
Darum geht es im neuen Tatort – ohne die Auflösung vorwegzunehmen
Was zunächst nach einem Routineeinsatz aussieht, entwickelt sich für Charlotte Lindholm schnell zu einem außergewöhnlichen Fall. In einem sogenannten Demenzdorf im niedersächsischen Kleinhude ist eine ältere Bewohnerin nach einem schweren Sturz gestorben. Hinweise auf ein Verbrechen scheint es zunächst nicht zu geben. Lindholm will den Vorgang entsprechend schnell wieder abgeben.
Dann erscheint Hauptkommissar Matthias Vogel in ihrem Büro. Seine Behauptung verändert alles: Der Tod der Frau soll keineswegs ein Unfall gewesen sein. Vogel hält den Bewohner Gustav König für einen Serienmörder, der über Jahre hinweg sieben Menschen getötet haben soll. Bei den früheren Taten spielt offenbar die Farbe Gelb eine auffällige Rolle.
Das Problem: Vogel selbst leidet an fortschreitender Demenz und ist bereits vom Dienst beurlaubt. Mal wirkt er analytisch, präzise und vollkommen überzeugend, kurz darauf verliert er die Orientierung zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Vorstellungen, die möglicherweise nie stattgefunden haben.
Damit entsteht die zentrale Frage des Films: Was ist eine Erinnerung wert, wenn sich nicht mehr sicher feststellen lässt, welche Teile davon tatsächlich stimmen?
Genau hier gewinnt „König in Gelb“ eine Dimension, die über die klassische Suche nach einem Täter hinausgeht.
Andreas Lust wird zum eigentlichen Mittelpunkt des Films
Nahezu unabhängig davon, wie einzelne Kritiker den gesamten Film beurteilen, findet sich ein auffälliger gemeinsamer Nenner: Andreas Lust als Matthias Vogel gehört zu den großen Stärken dieser Folge.
Der Schauspieler muss einen Ermittler verkörpern, dessen berufliche Fähigkeiten noch vorhanden sind, während ihm gleichzeitig die Kontrolle über Teile seines eigenen Lebens entgleitet. Die Figur kann scharfsinnig, anstrengend, komisch, verstörend und verletzlich wirken – teilweise innerhalb weniger Minuten.
Mehrere Kritiken heben diese Darstellung besonders hervor. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt den Umgang mit der Figur als berührend und die Leistung als herausragend, WEB.DE stellt ebenfalls Lusts Darstellung in den Mittelpunkt, und auch bei „Wie war der Tatort?“ wird Vogel als entscheidender menschlicher Motor des Films bewertet. Die Welt geht in ihrer positiven Einschätzung sogar so weit, den Film zu den besonders starken Lindholm-Fällen zu zählen.
Damit verschiebt sich die übliche Gewichtung eines Lindholm-Tatorts. Maria Furtwänglers Kommissarin bleibt die zentrale Ermittlerin, bekommt diesmal aber einen Gegenpart, der einen erheblichen Teil der emotionalen Wirkung trägt.
Demenz ist hier mehr als nur ein Mittel für die Krimihandlung
Besonders sensibel ist das Thema, um das sich die Geschichte bewegt. Demenz dient nicht lediglich dazu, Zeugenaussagen unsicher zu machen oder einen spektakulären Twist zu ermöglichen.
Das Drehbuch beschäftigt sich vielmehr damit, was passiert, wenn Menschen ihrer eigenen Erinnerung nicht mehr uneingeschränkt vertrauen können. Das betrifft nicht nur die Ermittlungen, sondern Identität, Beziehungen und Selbstständigkeit.
Auch Maria Furtwängler selbst hat im Vorfeld hervorgehoben, dass der Film Kriminalgeschichte und menschliches Drama miteinander verbindet. Sie bezeichnete die Folge als atmosphärisch dicht und bewusst ruhig erzählt.
Der Film vermeidet nach der überwiegend positiven Einschätzung mehrerer Kritiker zudem, seine dementen Figuren pauschal als hilflos oder eindimensional darzustellen. Gerade diese Differenzierung gehört zu den Elementen, die „König in Gelb“ von einem gewöhnlichen Serienmörderfall abheben.
Die Kritiken zu „König in Gelb“ könnten unterschiedlicher kaum sein
Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich der Saisonauftakt aufgenommen wird.
„Wie war der Tatort?“ vergibt 7 von 10 Punkten und sieht einen funktionierenden Krimi mit einem starken Episodenhauptdarsteller und einem differenzierten Umgang mit Demenz. TV Spielfilm kennzeichnet die Folge als Tipp und hebt die experimentelle, düstere Gestaltung sowie die Figurenzeichnung hervor. WEB.DE beurteilt den Film ebenfalls deutlich positiv.
Auch die Süddeutsche Zeitung hebt insbesondere Andreas Lust und die emotionale Ebene hervor. Die Welt bewertet den Fall besonders stark und sieht darin einen der bemerkenswerten Auftritte von Maria Furtwänglers Charlotte Lindholm.
Auf der anderen Seite steht deutlich härtere Kritik.
SWR3 kommt zu dem Urteil, dass der Fall trotz seines interessanten Themas schnell wieder in Vergessenheit geraten könnte. TV Movie kritisiert vor allem Unstimmigkeiten und Teile des Gesamtpakets und fällt insgesamt wesentlich negativer aus. Andere Kritiker sehen insbesondere bei der Konstruktion der Serienmördergeschichte eine gewisse Überladung oder mangelnde Glaubwürdigkeit.
Das ergibt ein ungewöhnliches Bild: Die schauspielerischen Leistungen und das Demenz-Thema werden deutlich besser aufgenommen als einzelne Elemente der eigentlichen Kriminalhandlung.
insideBW-Bewertung: 8 von 10 Punkten
Aus der Gesamtschau der verfügbaren Kritiken ergibt sich ein ziemlich klares Urteil: „König in Gelb“ dürfte kein perfekter Krimi sein, ist aber offensichtlich deutlich interessanter als ein routinierter Durchschnitts-Tatort.
Die größte Stärke liegt in der Grundidee. Erinnerung ist normalerweise eines der wichtigsten Werkzeuge einer Ermittlung. Hier wird gerade ihre Unzuverlässigkeit zum zentralen Problem. Dazu kommt mit Matthias Vogel eine Figur, die gleichzeitig Ermittler, Informationsquelle und Unsicherheitsfaktor ist.
Auch die Atmosphäre scheint außergewöhnlich konsequent umgesetzt zu sein. Dunklere Bilder, ein ruhigeres Erzähltempo und die ungewöhnliche Musik unterstreichen die Unsicherheit der Figuren.
Punktabzug gibt es vor allem für die Krimikonstruktion. Mehrere Kritiken deuten darauf hin, dass die Geschichte an einzelnen Stellen zu viel gleichzeitig erzählen will und der Serienmörderkomplex nicht jede Plausibilitätsprüfung problemlos übersteht.
Unterm Strich überwiegen jedoch die Stärken.
insideBW-Wertung: 8/10 Punkten.
Besonders stark erscheinen die darstellerische Leistung von Andreas Lust, das ungewöhnliche Thema und die Atmosphäre. Schwächer wirkt offenbar ausgerechnet jener Teil, der bei einem „Tatort“ normalerweise im Zentrum steht: die Konstruktion des eigentlichen Kriminalfalls.
Selbst die Musik wird zum Teil der Ermittlungen
Ein weiterer ungewöhnlicher Bestandteil ist die Filmmusik.
Christoph Kaiser und Julian Maas komponierten nicht nur den Score, sondern auch eine Oper, die innerhalb der Geschichte eine konkrete Funktion besitzt. Teile der Musik wurden gemeinsam mit dem NDR Vokalensemble und der Capella St. Crucis Hannover aufgenommen.
Dabei bleibt die Musik nicht bloße Untermalung. Nach Angaben der Komponisten befinden sich in den Opernfragmenten Begriffe, die für die Aufklärung des Falls relevant sind. Musik wird damit tatsächlich zu einem Bestandteil der Ermittlungen.
Das passt zur Figur Gustav König. Der von Thomas Thieme gespielte ehemalige Musikpädagoge und Komponist spricht aufgrund seiner Erkrankung kaum noch, reagiert jedoch weiterhin auf Musik.
Gerade diese Verbindung zwischen Erinnerung, Musik und Identität dürfte zu den Elementen gehören, die den Film länger im Gedächtnis halten als seine reine Täterfrage.
Diese Schauspieler sind beim Tatort heute Abend dabei
Maria Furtwängler spielt erneut Charlotte Lindholm. Für sie ist „König in Gelb“ nach Angaben des NDR der 33. Fall als Tatort-Kommissarin. An ihrer Seite ist Andreas Lust als Matthias Vogel zu sehen, Thomas Thieme spielt Gustav König.
Weitere Rollen übernehmen Matthias Bundschuh als Herr Miller, Constantin von Jascheroff als Pierre Springer, Kathrin Ackermann als Annemarie Lindholm, Marina Galic als Anna Mazur, Cornelius Schwalm als Dr. Kiefer und Gerd Anthoff als Servatius. Buch und Regie stammen von Alexander Adolph, die Kamera führte Alexander Fischerkoesen. Gedreht wurde vom 24. Februar bis 28. März 2026 in Seevetal und Hamburg.
Für Maria Furtwängler ist der Sendetermin zudem ein besonderer: Der NDR würdigt die Schauspielerin im September anlässlich ihres 60. Geburtstags. Ihre Charlotte Lindholm gehört bereits seit 2002 zur Tatort-Reihe.
Tatort jetzt schon vor der TV-Ausstrahlung in der Mediathek
„König in Gelb“ markiert noch aus einem anderen Grund einen Einschnitt.
Neue Tatort-Folgen können in der ARD Mediathek inzwischen bereits ab Freitag vor der linearen Sonntagsausstrahlung angesehen werden. Dafür ist zunächst eine Anmeldung erforderlich. Ab Sonntag steht der aktuelle Tatort wie gewohnt auch ohne diese Vorabregelung in der Mediathek zur Verfügung.
Die heutige Fernsehausstrahlung beginnt um 20:15 Uhr im Ersten.
Die Folge ist laut ARD Mediathek anschließend noch bis zum 11. September 2027 um 23:59 Uhr verfügbar.
Fazit: Dieser Tatort ist einen Blick wert
„König in Gelb“ dürfte einer jener Tatorte werden, bei denen nach dem Abspann weniger über die Frage „Wer war der Täter?“ diskutiert wird als über die Figuren.
Die Handlung kombiniert Serienmörderkrimi, Charakterdrama und das Thema Demenz. Nicht jeder Bestandteil scheint dabei gleichermaßen überzeugend zu funktionieren. Vor allem die eigentliche Kriminalgeschichte wird von einigen Kritikern als konstruiert oder überladen empfunden.
Dagegen steht eine bemerkenswert einhellige Anerkennung für Andreas Lust. Dazu kommen eine ungewöhnliche Atmosphäre, Maria Furtwängler in einer starken Lindholm-Konstellation und ein Thema, bei dem der Film offenbar weitgehend auf einfache Antworten verzichtet.
Das Ergebnis des insideBW-Kritikenchecks: Einschalten lohnt sich. 8 von 10 Punkten.
| Tatort heute | „König in Gelb“ |
|---|---|
| Datum | Sonntag, 13. September 2026 |
| Beginn | 20:15 Uhr |
| Sender | Das Erste |
| Ende | gegen 21:45 Uhr |
| Länge | 88 Minuten und 25 Sekunden |
| Ermittlerin | Charlotte Lindholm |
| Darstellerin | Maria Furtwängler |
| Buch und Regie | Alexander Adolph |
| Schauplätze der Dreharbeiten | Seevetal und Hamburg |
| insideBW-Bewertung | 8 von 10 Punkten |





