Spielzeit ja, Pflichtzeit nein?
Väter in Europa engagieren sich vor allem dort, wo es flexibel ist: Beim Spielen mit den Kindern. Das gemeinsame Toben, Vorlesen oder Organisieren von Freizeitaktivitäten gehört für die meisten Väter zum Alltag, wie eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) aufzeigt. Sie übernehmen diese Aufgaben mindestens so häufig wie ihre Partnerinnen.
Ganz anders sieht es bei den weniger glamourösen, dafür aber oft zeitgebundenen Tätigkeiten aus. Das Anziehen, die Zubereitung von Mahlzeiten oder gar die Betreuung eines kranken Kindes – hier greifen Väter spürbar seltener zu als Mütter. Die Untersuchung stützt sich auf Daten des Generations and Gender Survey (GGS).
Nationale Unterschiede bei der Pflege
Besonders bei der Betreuung kranker Kinder zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den europäischen Ländern. Während in Skandinavien wie Norwegen (80 Prozent) und Finnland (67 Prozent) fast zwei Drittel der Väter angeben, sich hier ebenso stark einzubringen wie ihre Partnerinnen, sieht das Bild in Deutschland (42 Prozent) und Tschechien (nur 29 Prozent) deutlich anders aus. Auch bei anderen versorgenden Aufgaben liegt Deutschland im Vergleich eher am unteren Ende.
Die Wissenschaftler des BiB vermuten den Grund in der unterschiedlichen Natur der Aufgaben. „Versorgende Tätigkeiten sind häufig stärker an feste Zeiten gebunden und lassen sich schwerer mit Erwerbsarbeit vereinbaren“, erklärt Stefanie Hoherz, Mitautorin der Studie. „Interaktive und freizeitbezogene Tätigkeiten bieten dagegen größere zeitliche Flexibilität und können häufiger außerhalb von klassischen Kernarbeitszeiten übernommen werden.“
Spiel reduziert Stress, Pflege macht unfroh
Doch die Art der Beteiligung hat auch Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden der Väter. Wer viel Zeit mit Spielen verbringt und diese Aufgabe gleichberechtigt wahrnimmt, berichtet über eine höhere Lebenszufriedenheit. Umgekehrt kann die Betreuung kranker Kinder, wenn sie von Vätern ebenso oft übernommen wird, zu einer geringeren Lebenszufriedenheit führen.
Die Studie unterstreicht damit, dass Kinderbetreuung kein einheitlicher Block ist, sondern aus sehr unterschiedlichen Aufgaben besteht. Diese wiederum stellen andere Anforderungen und beeinflussen das Wohlbefinden anders. Um eine ausgewogenere Verteilung zu erreichen, werden familienpolitische und arbeitsorganisatorische Anpassungen gefordert. Claudius Garten vom BiB betont: „Um eine ausgewogenere Verteilung der Kinderbetreuung zu fördern, sind insbesondere Rahmenbedingungen gefragt, die die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit zeitgebundenen oder kurzfristig anfallenden Betreuungs- und Versorgungsaufgaben verbessern, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten für Eltern.“


