Abschied vom Papier
Nach Jahrzehnten zieht die SPD die Reißleine: Das gedruckte Mitgliedermagazin „Vorwärts“ wird eingestellt. Diese Entscheidung teilten SPD-Führungskreise dem „Tagesspiegel“ mit. Es ist das Ende einer Ära für das traditionsreiche Blatt, das als Organ der Sozialdemokratie seit über 150 Jahren existiert.
Die Begründung für den Schritt ist klar: Man wolle ein „völlig neues Produkt“ entwickeln, das den Anforderungen des digitalen Zeitalters gerecht wird. „Wenn wir den `Vorwärts` als schlagkräftige Stimme der deutschen Sozialdemokratie erhalten wollen, müssen wir ihn so weiterentwickeln, dass er im digitalen Zeitalter gut bestehen und die SPD stärken kann“, erklärte „Vorwärts“-Chefredakteurin Karin Nink in einer E-Mail an die Abonnenten. Diese Ausgabe sei die „(vorerst) letzte Vorwärts-Ausgabe“.
Neuer digitaler Kurs
Der „Vorwärts“ habe sich „im Jahr ihres 150. Geburtstags gemeinsam mit dem Herausgeber und dem Schatzmeister auf den Weg gemacht, die Parteizeitung grundlegend weiterzuentwickeln“, so Nink weiter. Der Weg führe nun „hin zu einem neuen, digitalen `Vorwärts`“, auf den sich die Abonnenten ab Herbst freuen dürfen.
Für die Übergangszeit bleiben die gewohnten Kanäle bestehen: Auf vorwaerts.de, über die Social-Media-Plattformen Facebook, Instagram und Tiktok sowie im Podcast „SPDings“ und im wöchentlichen Newsletter werden die Leser weiterhin informiert. Die meisten Abonnenten sind SPD-Mitglieder, für die die Wandlungsfähigkeit des Magazins offenbar ein wichtiges Kriterium darstellt.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Der Druck, sich im medialen Wettbewerb zu behaupten, war zuletzt stark gestiegen. Steigende Druckkosten, wirtschaftliche Unsicherheiten und auch die Wahlergebnisse der SPD hatten die Parteizeitung seit Jahren vor Herausforderungen gestellt. Schon länger gab es daher Überlegungen zur Umgestaltung des „Vorwärts“, auch wenn sich die Parteispitze mit solchen Entscheidungen offenbar schwertat. Der Verlag und die Redaktion des „Vorwärts“ sollen laut Informationen aus Parteikreisen erhalten bleiben.
Sommerfest als Präsentationsplattform
Beim „Vorwärts“-Sommerfest im September soll das neue Konzept dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dann wird sich zeigen, wie die SPD ihre Stimme in der digitalen Welt neu erfinden und stärken will. Die letzte gedruckte Ausgabe liegt derweil einer E-Paper-Version bei, die auf die gelungene Entwicklung des Magazins zurückblickt.
(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)

