Aufarbeitung statt Rückschritt
Die Entscheidung, aus der Atomkraft auszusteigen, würde Umweltminister Carsten Schneider (SPD) jederzeit wieder treffen. Insbesondere vor dem 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April sei dies eine wichtige Positionierung.
„Die vor drei Jahren abgeschalteten drei Reaktoren wieder ans Netz zu nehmen, ist eine politische Geisterdebatte“, sagte Schneider den Zeitungen der „Mediengruppe Bayern“. Ausdrücklich betont er, dass die Betreiber selbst kein Interesse an einer Laufzeitverlängerung hätten und den Rückbau aktiv vorantreiben würden.
Neue Atomkraft: Teuer und langsam
Auch die Idee neuer Atomkraftwerke erteilt der SPD-Politiker eine klare Absage. „Sie sind extrem teuer, brauchen Jahrzehnte bis zur Fertigstellung und helfen uns bei aktuellen Energieproblemen nicht“, mahnte Schneider. Die Zeitspanne von der Planung bis zur Inbetriebnahme liege bei etwa 25 Jahren. Seine klare Botschaft: „Atomkraft löst kein einziges Energieproblem kurzfristig.“
Stattdessen setzt Schneider auf erneuerbare Energien. Diese seien „günstiger, schneller und sicherer“. Atomkraft sieht er als „Scheinlösung“ und nicht als nachhaltige Option.
Kritik an SMRs
Eine Absage erteilt Schneider auch den von der CSU geforderten Investitionen in kleine modulare Reaktoren (SMRs). „Das ist derzeit vor allem Theorie“, so der Minister. Es gäbe kaum Anlagen im realen Betrieb, keine Serienfertigung und keine belastbaren wirtschaftlichen Modelle, die die Versprechen der Industrie bestätigen würden. Auch Sicherheitsfragen und die Gefahr möglicher Angriffe bleiben laut Schneider ein Problem.
Er halte SMRs für eine „Illusion“. Technisch sei das „mehr alter Wein in neuen Schläuchen“ und mache sogar mehr Probleme als große Anlagen.
Erneuerbare stärker als gedacht
Schneider widersprach Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die erklärt hatte, Erneuerbare könnten erst ein Fünftel des Energiebedarfs decken. Diese Rechnung sei irreführend, da sie sich auf den Primärenergiebedarf mit hohen Umwandlungsverlusten beziehe, so der SPD-Politiker.
Bei der reinen Stromerzeugung sei man bereits deutlich weiter. „Wir liegen derzeit bei gut 55 Prozent erneuerbaren Energien im Strombereich und wollen bis 2030 auf rund 80 Prozent kommen“, erklärte Schneider. Dies bilde die Basis für eine stärkere Elektrifizierung in Verkehr und Wärmeversorgung und zeige, dass die Erneuerbaren eine wichtigere Rolle spielen, als seine Kollegin meine.