Porsche hat im Entwicklungszentrum Weissach seine Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ vorgestellt. Der Hersteller will weniger abhängig von hohen Stückzahlen werden, Kosten senken und mit exklusiveren Fahrzeugen mehr Wert pro verkauftem Auto erzielen. Für Baden-Württemberg ist besonders relevant, wie eng die Neuausrichtung mit den Standorten Zuffenhausen und Weissach sowie der Beschäftigung verbunden ist.
Rund 9.000 Stellen sollen sozialverträglich wegfallen
Nach Angaben des Unternehmens ist mit der Arbeitnehmerseite bereits ein Zukunftspaket vereinbart. Es sieht den sozialverträglichen Abbau von rund 9.000 Stellen vor und sichert zugleich die Stammbelegschaft bis 2035 ab. Im Juli hatte Porsche für die Werke in Zuffenhausen und Weissach außerdem Investitionen von zusammen 2,1 Milliarden Euro bis 2035 angekündigt.
Die neue Strategie geht über dieses Paket hinaus. Mittelfristig will Porsche die Zahl der Managementpositionen um 40 Prozent reduzieren. Die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich soll nach Unternehmensplanung mittelfristig um 25 Prozent sinken, langfristig nennt Porsche 30 Prozent als strategisches Ziel. Die Mitteilung nennt dafür keine neue standortgenaue Aufteilung. Deshalb lässt sich aus den Prozentwerten nicht ableiten, wie viele weitere Arbeitsplätze konkret in Baden-Württemberg betroffen wären.
Neue Modelle, weniger Varianten
Beim Produktangebot setzt Porsche auf mehr Exklusivität und weniger Komplexität. Das Unternehmen strebt etwa 20 Prozent weniger Modellvarianten an. Gleichzeitig soll das Verkaufsvolumen je Variante um rund 30 Prozent steigen. Geplant sind zusätzliche Fahrzeuge in margenstarken Segmenten sowie mindestens ein markenprägendes neues Produkt pro Jahr bis 2030.
Für 2028 kündigt Porsche vollelektrische Varianten von 718 Boxster und Cayman sowie ein zusätzliches SUV mit Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Antrieb an. Das SUV soll 2029 spürbar zu Umsatz und Ergebnis beitragen. Außerdem prüft der Hersteller ein weiteres SUV oberhalb des Cayenne und arbeitet an einer möglichen Mittelmotor-Supersportwagenplattform.
Gewinnschwelle soll unter 200.000 Fahrzeuge sinken
Die wirtschaftlichen Ziele sind ambitioniert. Porsche will die Gewinnschwelle auf weniger als 200.000 verkaufte Fahrzeuge drücken. Mittelfristig strebt das Unternehmen 41 bis 45 Milliarden Euro Konzernumsatz, eine operative Umsatzrendite von 10 bis 15 Prozent und eine Netto-Cashflow-Marge im Automobilbereich von 9 bis 12 Prozent an.
Dafür sollen unter anderem Entwicklungskosten neuer Modellreihen um bis zu 20 Prozent, Fertigungspersonalkosten um bis zu 30 Prozent und Materialeinzelkosten neuer Fahrzeugprojekte um rund 10 Prozent gegenüber bisherigen Planungen sinken. Porsche bezeichnet diese Werte ausdrücklich als Ziele. Ihre Erreichung hängt laut Unternehmen auch von wirtschaftlichen, geopolitischen und regulatorischen Bedingungen ab.
Fokus auf das Kerngeschäft
Porsche bündelt seine Entwicklungstöchter Porsche Engineering und Porsche Digital künftig unter dem Namen Porsche Technologies. Zugleich verweist der Konzern auf bereits eingeleitete Verkäufe und Stilllegungen außerhalb des engeren Kerngeschäfts. Dazu zählt auch der bereits vollzogene Verkauf der Bugatti-Rimac-Beteiligungen, über den insideBW berichtet hat.
Die Strategie verbindet damit zwei gegenläufige Zusagen: Porsche sichert seine beiden zentralen baden-württembergischen Standorte langfristig ab, verkleinert aber gleichzeitig Organisation und Belegschaft deutlich. Wie sich das im Einzelnen auf Beschäftigte, Zulieferer und Investitionen im Land auswirkt, wird erst die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen zeigen.





