„Bunter Vogel“ mit Medienpräsenz
Wolfgang Kubicki wird von Politikwissenschaftlern gute Chancen zugeschrieben, die FDP zurück in die Parlamente zu bringen. Frank Decker, Experte für Parteienforschung an der Universität Bonn, nennt dafür zwei Hauptgründe. Kubicki gelte als „bunter Vogel“, der über „Entertainment-Qualitäten“ verfüge und der Partei wieder mehr Medienpräsenz verschaffen würde – etwa in Talkshows. Dies würde die FDP „weniger behäbig und langweilig“ erscheinen lassen.
Kurs nach Rechts als Nische?
Decker sieht aber vor allem Potenzial in der politischen Ausrichtung. Er geht davon aus, dass Kubicki die FDP nach rechts und „zum Rechtspopulismus hin öffnen“ würde. Rechts der Mitte sei derzeit „mehr Platz“, so Decker. Die FDP könne sich als „liberalkonservative Kraft“ mit einem Alleinstellungsmerkmal positionieren und im Umgang mit der AfD möglicherweise „weniger dogmatisch“ sein als die CDU.
Gerade im Osten gebe es viele unzufriedene Unionsanhänger, die eine solche FDP ansprechen könnten. Eine „Zuspitzung der wirtschaftsliberalen, der libertären Positionen“ sei die „Nische für die FDP“, glaubt Decker, auch wenn er persönlich diesen Kurs „politisch für einen Irrweg“ hält.
Veränderte Basis spricht für Rechtskurs
Die Basis und Wählerschaft der FDP hätten sich in den vergangenen Jahren stark verändert, erklärt der Politikwissenschaftler. Neoliberales Gedankengut, Skepsis gegenüber dem Staat, eine jüngere Mitgliederschaft und eine mehrheitlich männliche Wählerschaft sprächen für einen Rechtskurs. Damit könnte die FDP Wähler ansprechen, „denen die AfD zu extremistisch, zu gehässig, zu brutal ist“. Ein erheblicher Teil der Stimmen, die derzeit Union und AfD zustehen, könnte so für eine liberalkonservative FDP abfallen, meint Decker.