Münkler sieht Ende der Nato drohen
Der renommierte Politikwissenschaftler Herfried Münkler äußert sich besorgt über die potenziellen Folgen einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Iran und der möglichen Aktivierung von Artikel 5 des Nato-Vertrags. Seiner Ansicht nach hätte die Ausrufung des Bündnisfalls durch US-Präsident Trump das Ende des transatlantischen Bündnisses zur Folge.
„Die Aktivierung von Artikel 5 wäre das Ende der Nato, denn damit würde sich das Bündnis aus einem Defensiv- in ein Offensivbündnis verwandeln“, zitierte das „Handelsblatt“ den Experten. Das bedeute, jedes Mitglied könnte theoretisch ein beliebiges Land angreifen und im Ernstfall auf die Unterstützung der anderen zählen.
Nur im Fall von Afghanistan habe die Aktivierung der Beistandsklausel Sinn ergeben, da die USA einen direkten Bezug zu den Terroranschlägen vom 11. September herstellen konnten. Münkler räumt ein, dass man über eine Unterstützung der USA in der Straße von Hormus nachdenken könne, da eine Blockade des Seewegs den Welthandel treffe.
Ein solcher Einsatz müsse jedoch mit klaren Forderungen an die USA verbunden sein. „Europäer müssten dafür einen Preis einfordern, der eine stärkere Unterstützung der Ukraine durch die USA zum Ziel hat“, argumentierte Münkler. Der russische Angriff auf die Ukraine sei de facto ein Angriff auf Europa.
Die bloße Debatte über die Aktivierung der Nato-Klausel zeige bereits, wie mangelhaft die Planung der US-Militäraktion gegen den Iran gewesen sei, mahnte der Politikwissenschaftler.