Bis zu 150 Wünsche pro Stunde – Die besten Plätze für die Geminiden

Magische Winternacht im Ländle: Der spektakulärste Sternschnuppen-Regen des Jahres verzaubert Baden-Württemberg

Foto: Foto: Von <a href="//commons.wikimedia.org/w/index.php?title=User:Asimpatel&action=edit&redlink=1" class="new" title="User:Asimpatel (page does not exist)">Asim Patel</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0">CC BY-SA 3.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30551402">Link</a>

Es gibt Gründe, sich auf die kalten Dezembernächte zu freuen. Wenn die Welt kurz vor Weihnachten zur Ruhe kommt, spielt sich am Himmel über Baden-Württemberg das vielleicht schönste Naturschauspiel des Jahres ab. Vom 4. bis 20. Dezember verwandeln die Geminiden den Nachthimmel in ein wahres Spektakel. Ihren Höhepunkt erreicht der Schauer in der Nacht auf Sonntag, den 14. Dezember: Dann sind – bei guten Bedingungen – bis zu 150 Meteore pro Stunde möglich. Ein funkelndes Himmelsschauspiel, das selbst erfahrene Sternengucker beeindruckt. Vergessen Sie kurz den Weihnachtsstress: Es lohnt sich, dick eingepackt nach draußen zu gehen, denn der Himmel meint es gut mit uns.

Warum diese Nacht besonders ist

Die Geminiden gelten unter Kennern als zuverlässiger und oft spektakulärer als die berühmten Perseiden im August. Während man im Sommer oft lange warten muss, bieten die Geminiden eine beeindruckende Frequenz: Bis zu 150 Sternschnuppen pro Stunde können in der Spitzenzeit über das Firmament huschen.

Das Schöne daran: Sie müssen kein Nachtschwärmer sein. Die „Feuerstrahlen“, wie sie oft genannt werden, sind bereits ab der Dämmerung sichtbar. Ihren absoluten Höhepunkt erreicht die Show allerdings gegen Mitternacht, wenn das Sternbild Zwillinge (lat. Geminiden), aus dem die Schnuppen zu kommen scheinen, hoch am Himmel steht.

Hier funkelt der Süden am schönsten

Damit der Wunschzettel abgearbeitet werden kann, braucht es vor allem eines: Dunkelheit. In den hell erleuchteten Städten gehen viele der feinen Lichtstreifen unter. Doch Baden-Württemberg bietet wunderbare Rückzugsorte für Sternengucker.

Unsere Empfehlungen für eine ungestörte Sicht:

  • Auf der Schwäbischen Alb: Hier ist die Nacht noch wirklich dunkel. Die Initiative Sternenpark Schwäbische Alb hat beispielsweise bei Römerstein und Zainingen spezielle Sternguckerplätze ausgewiesen. Ein echter Geheimtipp für Romantiker ist zudem der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen – weit weg von störenden Straßenlaternen.
  • Im Schwarzwald: Wer den Nebel im Tal lassen möchte, fährt hoch hinaus. Gipfel wie der Feldberg oder der Schauinsland ragen meist über die Wolkendecke und bieten freien Blick in den Kosmos.
  • Am Bodensee: Auch am Seeufer gibt es stille Ecken. Besonders an der Haldenbergkapelle in Ailingen (bei Friedrichshafen) lässt sich das Spektakel wunderbar beobachten, während die Umgebung schläft.

Ein seltener Gast aus dem All

Was wir als leuchtende Streifen sehen, ist eigentlich kosmischer Staub, der mit atemberaubender Geschwindigkeit auf unsere Atmosphäre trifft. Die Geschichte dahinter ist faszinierend: Anders als die meisten Sternschnuppen, die von Kometen stammen, sind die Geminiden „Kinder“ eines Asteroiden namens 3200 Phaethon.

Dieser Himmelskörper aus Gestein kommt der Sonne alle eineinhalb Jahre extrem nah. Forscher vermuten, dass die enorme Hitze das Gestein an seiner Oberfläche zerkrümelt oder verborgenes Eis verdampfen lässt, wodurch Staub ins All geschleudert wird.

Wenn diese Teilchen auf die Erde treffen, sind sie 35 Kilometer pro Sekunde schnell. Um diese Geschwindigkeit greifbar zu machen, zieht Rolf Bitzer von der Sternwarte Zollern-Alb einen spannenden Vergleich:

„Für diese Strecke würde man mit dem Auto bei einer Geschwindigkeit von hundert Kilometern pro Stunde unendliche 548.000 Jahre brauchen.“

Speeding towards Earth, meteors from the Geminid meteor shower streak across the sky above the Nicholas U. Mayall 4-meter telescope at Kitt Peak National Observatory (KPNO), a Program of NSF’s NOIRLab, in Arizona. Stretching across the center of the sky is the dusty arm of the Milky Way, arching over the radiant of the meteor shower in the constellation Gemini on the right. This image was captured during the peak of this year’s shower on 14 December 2023. The Geminid meteor shower is one of the most reliable meteor showers. Like other meteor showers, these fireballs are rocky particles zooming through our atmosphere and brightly burning until they disintegrate long before they hit the ground. The particles from the Geminids come from the asteroid 3200 Phaethon, unlike most meteor showers, which originate from comets. The Mayall telescope is the largest telescope at KPNO and is a great sight alongside the circumstellar phenomena of our Solar System. Around this time last year the Mayall telescope was a supporting star in our Image of the Week of a total lunar eclipse. The telescope is currently home to the Dark Energy Spectroscopic Instrument (DESI). DESI, led by the US Department of Energy, is acquiring the spectra of tens of millions of galaxies and quasars and has already created the largest and most detailed 3D map of the Universe ever, which is aimed at revealing the effects of dark energy in the Universe.  This photograph was created by carefully stacking a series of photos, captured within a two-hour period. The foreground and background were stacked separately using the same sequence of images before being recombined into this Image of the Week.  Rob Sparks, the photographer, is a NOIRLab Audiovisual Ambassador.

So gelingt der perfekte Blick in die Sterne

Sie brauchen kein teures Teleskop und keine Fachkenntnisse. „Die Augen reichen völlig“, sagen Experten. Das Wichtigste ist Komfort:

  1. Warm anziehen: Unterschätzen Sie die Dezemberkälte nicht – Zwiebelprinzip, Mütze und Handschuhe sind Pflicht.
  2. Bequem machen: Nehmen Sie eine Isomatte oder einen Liegestuhl und eine warme Decke mit. Der Blick geht steil nach oben, im Stehen bekommt man schnell einen steifen Hals.
  3. Geduld haben: Geben Sie Ihren Augen etwa 20 Minuten Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Vermeiden Sie in dieser Zeit den Blick aufs Smartphone-Display.

Wer tiefer in die Astronomie eintauchen möchte, dem sei ein Besuch in der Sternwarte Zollern-Alb in Rosenfeld-Brittheim empfohlen – eine der modernsten Einrichtungen Europas.

Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Genießen Sie den Anblick bewusst. Die Geminiden sind ein Geschenk auf Zeit. Um das Jahr 2100 herum wird sich die Erde voraussichtlich aus der Staubwolke herausbewegen, und der Sternschnuppen-Regen versiegt. Doch bis dahin haben wir noch viele Wünsche frei.