Die 14-seitige Strategie ist kein fertiger Maßnahmenplan. Das KIT kündigt an, darauf aufbauend konkrete Umsetzungspläne, Zuständigkeiten und Kennzahlen zu entwickeln und mit Ressourcen zu hinterlegen. Eine Fortschreibung des Dokuments ist angesichts der schnellen technischen Entwicklung vorgesehen, beispielhaft nennt das KIT einen Zeitraum von zwei Jahren.
KI-Kompetenz soll Teil des Studiums werden
Für Studium und Lehre formuliert die Hochschule das Ziel, sogenannte AI Literacy als Grundkompetenz zu verankern. Studierende und Lehrende sollen KI-Systeme kritisch, verantwortungsvoll und fachlich angemessen beurteilen und nutzen können. Geplant sind unter anderem adaptive Lernangebote, automatisierte Feedbacksysteme und simulierte Lernräume.
Gleichzeitig setzt das Strategiepapier eine Grenze: KI soll menschliche Interaktion ergänzen, nicht ersetzen. Bei Prüfungen können digitale Werkzeuge zwar Feedback oder Assistenz liefern, die eigentliche Bewertung soll jedoch nicht von einer KI übernommen werden. Prüfungsformate sollen weiterhin Verständnis, Transferfähigkeit, Problemlösung und Kreativität abbilden.
Eigene Infrastruktur soll sensible Daten schützen
Ein weiterer Schwerpunkt ist die digitale Souveränität. Das KIT sieht Abhängigkeiten von wenigen internationalen Hardware- und Softwareanbietern als Risiko. Dazu zählen nicht nachvollziehbare Trainingsdaten, mögliche Verzerrungen in KI-Ausgaben und monopolartige Preisgestaltung. Deshalb will die Hochschule offene Sprachmodelle auf eigener Hardware stärker nutzen und gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen souveräne Infrastrukturen ausbauen.
Eine technische Grundlage dafür ist der 17 Millionen Euro teure Supercomputer HoreKa 2. Er stellt Rechenleistung für wissenschaftliche Simulationen und KI-Anwendungen bereit. Beschäftigte und Studierende erhalten außerdem über eine KIT-eigene Toolbox Zugang zu kommerziellen und quelloffenen Modellen – teilweise in der Cloud, teilweise auf eigener Hardware.
Forschung muss transparent und reproduzierbar bleiben
Besonders ausführlich befasst sich die Strategie mit wissenschaftlicher Integrität. Generative KI kann bei Anträgen, Berichten, Veröffentlichungen, Software und Daten eingesetzt werden. Das KIT warnt jedoch vor mangelnder Transparenz, ungeklärter Autorschaft und fehlender Reproduzierbarkeit. KI-Ausgaben könnten außerdem systematische Verzerrungen enthalten, wenn Trainingsdaten oder Funktionsweisen nicht nachvollziehbar sind.
Die Hochschule will deshalb Risikobewertung und Qualitätssicherung stärken. Forschungsoutput soll fachlich fundiert, transparent und reproduzierbar bleiben. KI soll außerdem nur dort eingesetzt werden, wo ein klarer Mehrwert entsteht. Energieverbrauch, Rohstoffe und andere Nachhaltigkeitsfolgen sollen bei Investitionen und Anwendungen berücksichtigt werden.
Auch die Verwaltung soll KI einsetzen
In Verwaltungs- und Serviceprozessen sollen KI-Werkzeuge Routinetätigkeiten vereinfachen und Beschäftigte entlasten. Entscheidungen über geeignete Verfahren und die Qualitätskontrolle verbleiben laut Strategie beim Menschen. Vor einer breiteren Einführung sollen Bedarfe, Chancen und Risiken institutionenweit geprüft und Anwendungen zunächst in Pilotprojekten erprobt werden.





