Fehlende Kennzeichnung als Kern des Problems
Die Entscheidung sei „an der Sache orientiert“ und eine Reaktion auf einen klaren Regelverstoß, betonte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“. Der Einsatz von KI-generierten Szenen ohne entsprechende Kennzeichnung in einem Beitrag über ICE-Abschiebungen im „Heute-Journal“ am 15. Februar hat nun personelle Konsequenzen für die Leitung des Studios in New York. Hinweise auf eine bewusste Täuschung gebe es allerdings nicht.
Kritik von prominenter Seite
Die Abberufung der Studioleiterin stieß auf Kritik, unter anderem von Claus Kleber, dem ehemaligen Anchorman des „Heute-Journals“. Schausten räumte in dem Interview ein, dass es auf redaktioneller Ebene Mängel gab, die das Senden des Beitrags in dieser Form ermöglichten. Sie kündigte eine intensive Überprüfung der internen Prozesse an, die auch arbeitsrechtliche Konsequenzen haben könnte.
Offene Fragen bei der Beitragsabnahme
Besonders die Abnahme des Beitrags in Mainz falle Schausten zufolge negativ auf. „Da hätte Alarm schrillen müssen, weil erkennbar Material aus dem Netz verwendet wurde“, so die Chefredakteurin. Die Tragweite des Vorfalls sei in der Kommunikation des Senders zunächst „spät erkannt“ worden. Grundsätzlich gelte beim ZDF, dass KI-generiertes Material in Nachrichten nicht verwendet werden dürfe, es sei denn, KI sei selbst Thema des Beitrags.
Chance trotz „Wirkungstreffer“
Schausten kündigte an, die internen Prüfverfahren zu intensivieren, um die „Sensibilität“ für solche Themen zu steigern. Sie sieht in dem Vorfall trotz des „Wirkungstreffers“ auch eine Chance, sich auf die Herausforderungen des „medialen KI-Zeitalters“ vorzubereiten. „Wir sind beschädigt, aber auch klüger“, fasste Schausten die aktuelle Situation zusammen.

