Millionen betroffen – Fokus auf vulnerable Gruppen

Jeder Achte in Deutschland erlebt Diskriminierung

Jeder Achte in Deutschland erlebt Diskriminierung
Foto: Vorstellung einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes am 10.03.2026, via dts Nachrichtenagentur

Eine neue Studie offenbart das Ausmaß von Diskriminierung in Deutschland: Über 13 Prozent der Bevölkerung gaben an, in den letzten zwölf Monaten Diskriminierung erfahren zu haben. Dies entspricht rund neun Millionen Menschen. Besonders betroffen sind Minderheiten, Frauen und Menschen mit Behinderungen. Die Folgen reichen von gesundheitlichen Problemen bis zu Vertrauensverlust in den Staat.

Diskriminierung in Deutschland: Weit verbreitet, kaum gemeldet

Mehr als jede achte Person in Deutschland hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Monaten Diskriminierung erfahren. Das geht aus einer aktuellen Auswertung von Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) hervor, die am Dienstag von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes veröffentlicht wurde. Konkret bedeutet dies, dass sich rund neun Millionen Erwachsene in Deutschland von Benachteiligung betroffen fühlen.

Die Studie macht deutlich, dass diese Erfahrungen keine gleichmäßige Verteilung aufweisen. Menschen mit Migrationshintergrund berichten signifikant häufiger von Diskriminierung als jene ohne. Insbesondere Muslime und Personen, die Rassismus erfahren, sind überdurchschnittlich stark betroffen. Auch Frauen, trans- und intergeschlechtliche sowie nicht-binäre Personen, Menschen mit Behinderungen oder chronisch Kranke nennen häufiger Diskriminierungserlebnisse.

Die negativen Auswirkungen dieser Erfahrungen sind gravierend: Betroffene leiden häufiger unter schlechterer Gesundheit, geringerer Lebenszufriedenheit und psychischer Belastung. Zudem zeigt sich ein deutlicher Vertrauensverlust in staatliche Institutionen. Besorgniserregend ist jedoch, dass die Mehrheit der Betroffenen, nämlich 56 Prozent, keinen Sinn darin sieht, gegen die erlebte Benachteiligung vorzugehen. Dies wirft ein Schlaglicht auf ein offenbar mangelndes Vertrauen in den gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung.

Diskriminierung begegnet den Menschen dabei in fast allen Lebensbereichen. Besonders häufig tritt sie im öffentlichen Raum auf, beim Zugang zu Waren und Dienstleistungen, im Arbeitsleben, im Gesundheitswesen und in der Pflege. Auch in Schulen, im Kontakt mit Behörden und Polizei sowie bei der Suche nach einer Wohnung sind Diskriminierungserlebnisse keine Seltenheit.

Besonders auffällig ist, dass Diskriminierung oft in Bereichen stattfindet, wo der Schutz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) nur eingeschränkt oder gar nicht greift – zum Beispiel auf der Straße oder im Umgang mit staatlichen Stellen. Fast jede fünfte befragte Person berichtet von Benachteiligungen durch Ämter, Behörden oder die Polizei. Auch Menschen mit geringem Einkommen, ohne deutschen Pass oder Personen in der Pflege- und Betreuungsrolle sind einer höheren Gefahr ausgesetzt, Diskriminierung zu erleben.

Angesichts dieser Ergebnisse drängt die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman auf eine zügige Umsetzung der im Koalitionsvertrag angekündigten Reform des AGG. Sie unterstreicht die Notwendigkeit stärkere Unterstützung für Betroffene. „Viele Menschen machen Diskriminierung mit sich allein aus – auch weil es zu wenig Beratung gibt, die rechtliche Lage nicht bekannt ist und das Recht es Menschen oft schwer macht, sich zu wehren. Wir brauchen deshalb mehr Unterstützung, Aufklärung und Sensibilisierung“, so Ataman. „Es ist höchste Zeit, die Menschen in Deutschland besser vor Diskriminierung zu schützen.“

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)