44 Staaten hoch verschuldet

Iran-Krieg treibt Globalen Süden in Schulden-Abwärtsspirale

Iran-Krieg treibt Globalen Süden in Schulden-Abwärtsspirale

Kinder in einem Slum (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Der Krieg im Nahen Osten und die daraus resultierenden Preissteigerungen verschärfen die Schuldenkrise im Globalen Süden dramatisch. 44 Länder kämpfen bereits mit einer extrem hohen Auslandsverschuldung, die lebensnotwendige Investitionen in Bildung und Gesundheit blockiert. Hilfsorganisationen fordern eine radikale Umgestaltung der globalen Finanzarchitektur.

Hohe Belastung für Entwicklungsländer

44 Staaten im Globalen Süden leiden unter einer sehr hohen Auslandsschuldenlast. Davon sind weitere 25 Staaten hoch belastet, während 15 Länder ein latentes Belastungsrisiko aufweisen. Dies geht aus dem aktuellen Schuldenreport 2026 des Entschuldungsbündnisses Erlassjahr und Misereor hervor.

Länder mit hoher Auslandsschuldenlast sehen sich gezwungen, mehr als 15 Prozent ihrer Staatseinnahmen für Zins- und Tilgungszahlungen an ausländische Gläubiger aufzuwenden. In Angola sind es gar 60 Prozent, im Senegal 39 Prozent.

Einnahmen fließen an Gläubiger

Ein untragbar hoher Teil der öffentlichen Einnahmen fließt so direkt an ausländische Gläubiger, anstatt in elementare Staatsaufgaben wie Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur zu investieren. Zum Vergleich: Deutschland gibt lediglich rund zwei Prozent seiner Staatseinnahmen für den Auslandsschuldendienst aus.

Krieg verschärft Krise

Die verheerenden Folgen des Kriegs am Golf verschärfen diese Situation zusätzlich. Hohe Energie- und Lebensmittelpreise belasten die Staatshaushalte zusätzlich und führen zu einem Kapitalabzug sowie höheren Kreditkosten in vielen verschuldeten Ländern. Dies verteuert den Erhalt von Schulen und Krankenhäusern sowie die soziale Grundsicherung.

Der Libanon etwa leistet gemessen an den Staatseinnahmen den höchsten Schuldendienst weltweit und befindet sich im Zahlungsausfall. Die Bevölkerung kämpft aufgrund einer seit Jahren andauernden Finanzkrise mit dem Verlust ihrer Ersparnisse, nun verschärft der Krieg die Notlage dramatisch.

Keine schnelle Entspannung in Sicht

Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht in Sicht. Die öffentliche Vergabe von Zuschüssen und Krediten an Länder des Globalen Südens ist zuletzt deutlich eingebrochen, auch durch gekürzte Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit.

Private Gläubiger vergeben Kredite, insbesondere an bereits hoch verschuldete Staaten, nur noch zu sehr hohen Zinssätzen. Dies birgt die Gefahr, dass Schuldenkrisen verschleppt statt gelöst werden und die Länder tiefer in Abhängigkeiten geraten.

Internationale Strukturen blockiert

Die internationale Schuldenarchitektur bietet laut den Organisationen keine effektiven Lösungen. Betroffene Länder wie Ghana, Sambia oder Sri Lanka, die Kredite im Rahmen gläubigerdominierter Strukturen umgeschuldet hätten, verzeichnen weiterhin hohe Belastungen.

Reformen, die diese problematischen Strukturen aufbrechen, werden von Ländern des Globalen Nordens, darunter Deutschland und die EU, blockiert. Eine radikale Neugestaltung der internationalen Schulden- und Finanzarchitektur ist dringend erforderlich.

Forderung nach Schuldenstreichung

Dafür brauche es verbindliche Mechanismen zur Schuldenstreichung sowie deutlich ausgeweitete und verbindliche öffentliche Entwicklungsinvestitionen. Eine Neuausrichtung des Entwicklungsmodells, das primär auf private Finanzierungsquellen setzt, sei ebenfalls notwendig.

Die Bundesregierung müsse sich für dringende Reformen einsetzen, damit betroffene Länder stärker mitbestimmen können. Faire und verlässliche Schuldenerleichterungen seien kein Akt der Gnade, sondern müssten fester Bestandteil der internationalen Zusammenarbeit werden, um Würde, Teilhabe und Entwicklung für alle Menschen zu ermöglichen.

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

Methodik-Hinweis:
insideBW prüft Informationen nach redaktionellen Standards. Wie wir arbeiten? Mehr dazu: Quellen & Methodik .