Auch Tempolimit für Deutschland im Gespräch

IEA-Chef warnt: Europa drohen Diesel- und Kerosin-Engpässe

IEA-Chef warnt: Europa drohen Diesel- und Kerosin-Engpässe

Eine Kerosin-Tankstelle (Archivbild): Die Internationale Energieagentur warnt vor Engpässen.

Die Internationale Energieagentur schlägt Alarm: Europa könnte in den kommenden Wochen mit Versorgungsengpässen bei Diesel und Kerosin rechnen. Der IEA-Chef Fatih Birol sieht die Ursache in der Eskalation im Nahen Osten und schlägt Maßnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs vor, darunter ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen.

Benzin wird knapp?

Europa steht vor einer potenziellen Diesel- und Kerosin-Krise. Laut Fatih Birol, dem Präsidenten der Internationalen Energieagentur (IEA), könnten die Bestände in den kommenden Wochen zur Neige gehen, sollte sich die globale Produktion nicht erholen. „Wenn sich die Lage nicht verbessert, könnten Diesel und Kerosin in Europa bald knapp werden. Nicht sofort, aber in den kommenden Wochen“, sagte Birol dem „Spiegel“.

Vor dem Ausbruch des sogenannten Irankriegs stammte ein erheblicher Teil des in Europa verbrauchten Diesels und Kerosins aus Raffinerien im Nahen Osten. „Viele Treibstofflager haben sich in den vergangenen Wochen geleert“, so Birol. „Wenn sich die globale Diesel- und Kerosinproduktion nicht bald erholt, könnte es im Monat Mai für einige europäische Staaten brenzlig werden.“ Welche Länder genau betroffen sein könnten, wollte der IEA-Chef jedoch nicht nennen.

Tempolimit als Ausweg?

Angesichts steigender Spritpreise und der wachsenden Sorge vor Versorgungsengpässen plädiert Birol für drastische Sparmaßnahmen. „Deutschland sollte über ein Tempolimit auf Autobahnen nachdenken“, fordert er. Schon eine Reduzierung der Geschwindigkeit um zehn Kilometer pro Stunde könne den nationalen Ölverbrauch um bis zu sechs Prozent senken. Kombiniert mit einem kostenlosen oder deutlich günstigeren Nahverkehr könnte dies Anreize schaffen, verstärkt auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Die durch den Konflikt im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus ausgelöste Energiekrise sei laut Birol noch lange nicht überstanden. „Mindestens 80 Energieanlagen im Nahen Osten sind im Krieg beschädigt worden: Ölfelder, Gasfelder, Raffinerien, LNG-Terminals, Pipelines.“ Selbst unter günstigsten Bedingungen – einer Waffenruhe, die zu einem Friedensabkommen führt und die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr öffnet – werde es lange dauern, bis die Öl- und Gasproduktion das Vorkriegsniveau wieder erreicht. Scheitere die Waffenruhe jedoch und blockiere der Iran die strategisch wichtige Meerenge, „dann ist die Energiekrise sofort wieder im roten Bereich“, erklärte Birol.

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

Methodik-Hinweis:
insideBW prüft Informationen nach redaktionellen Standards. Wie wir arbeiten? Mehr dazu: Quellen & Methodik .