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Digitales Forschungs- und Erinnerungsprojekt

Heidelberg: Forschungsprojekt macht 983 Einträge aus der NS-Zeit zugänglich

Ein Heidelberger Forschungsprojekt macht 983 Einträge aus der NS-Zeit digital zugänglich. Für 84 Personen wurden bereits ausführlichere Biografien recherchiert und veröffentlicht.

Heidelberg: Forschungsprojekt macht 983 Einträge aus der NS-Zeit zugänglich
Das historische Leichenjournal dokumentiert Einlieferungen Verstorbener in die Heidelberger Anatomie.
Fotos: Anatomie Heidelberg, Universität Heidelberg

Digitaler Erinnerungsort macht historische Einträge öffentlich

Ein Forschungsprojekt der Medizinischen Fakultät Heidelberg und des Historischen Seminars der Universität Heidelberg macht die Schicksale von Menschen sichtbar, deren Körper während der Zeit des Nationalsozialismus in die Heidelberger Anatomie eingeliefert wurden. Im Mittelpunkt steht die neue Internetseite „Erinnerte Opfer“, die als digitaler Erinnerungsort und Forschungsplattform angelegt ist.

Grundlage ist das historische Leichenjournal des Instituts für Anatomie und Zellbiologie. Für den Zeitraum von 1933 bis 1944 umfasst die Datenbank insgesamt 983 Einträge. Für 84 Personen hat das Projektteam nach Angaben des Universitätsklinikums bereits ausführlichere Biografien recherchiert und veröffentlicht.

Leichenjournal reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück

Im Leichenjournal wurden seit 1816 die Einlieferungen Verstorbener in die Heidelberger Anatomie dokumentiert. Ihre Körper dienten der medizinischen Lehre und Forschung. Das aktuelle Projekt konzentriert sich auf die Zeit des Nationalsozialismus und damit auf eine Phase, in der Herkunft und Überführung der Verstorbenen eng mit staatlicher Verfolgung und gesellschaftlichen Machtverhältnissen verbunden waren.

Nach Angaben des Projektteams wurden während der NS-Zeit unter anderem Körper von Hingerichteten in anatomische Institute gebracht, teilweise ohne Wissen und Zustimmung ihrer Angehörigen. Zu den dokumentierten Personen gehören politisch Verfolgte, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Bewohner von Anstalten und Pflegeheimen.

84 Biografien bereits recherchiert

Die neue Plattform soll die Personen hinter den Einträgen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Neben dem digitalisierten Journal veröffentlicht das Projekt Biografien, soweit sich die Lebenswege aus historischen Quellen rekonstruieren lassen.

Aktuell sind 84 Lebensgeschichten ausführlicher aufgearbeitet. Weitere Biografien sollen schrittweise hinzukommen. Die Datenbank kann unter anderem nach Namen, Eingangsdatum, Beruf, Alter oder Todesursache durchsucht werden.

Das Projektteam arbeitet dafür mit öffentlich zugänglichen historischen Quellen und Archiven. Vor der Veröffentlichung wurden nach Angaben des Universitätsklinikums rechtliche und ethische Fragen geprüft.

Forschende wollen individuelle Schicksale sichtbar machen

Das Projekt verfolgt bewusst einen personenbezogenen Ansatz. Statt ausschließlich Tätergruppen oder größere Opfergruppen zu betrachten, soll nachvollziehbar werden, welche einzelnen Menschen hinter den historischen Einträgen stehen und welche Lebenswege sich rekonstruieren lassen.

In einzelnen Fällen konnten Forschende Personen identifizieren, die zuvor nur als Nummern im Anatomiejournal dokumentiert waren. Unter den erfassten Menschen befinden sich auch Mitglieder der Mannheimer Lechleiter-Widerstandsgruppe, die sich gegen das NS-Regime engagierte.

Projekt soll kontinuierlich erweitert werden

„Erinnerte Opfer“ ist nicht als abgeschlossenes Archiv gedacht. Die Internetseite soll fortlaufend um weitere Biografien und zusätzliche Forschungsergebnisse ergänzt werden. Damit verbindet das Projekt historische Forschung, digitale Dokumentation und Gedenkarbeit.

Die Medizinische Fakultät Heidelberg und das Universitätsklinikum Heidelberg stellen die Hintergründe des Projekts und die bisherige Aufarbeitung ausführlich vor.

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