Brüssel bremst deutsche Klimaziele
Die Europäische Kommission hat Bedenken geäußert, wie viel zusätzlichen positiven Effekt Deutschlands ehrgeiziges Ziel der Klimaneutralität bis 2045 tatsächlich hat. Laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ zweifelt die Brüsseler Behörde daran, dass die Bemühungen eines einzelnen Mitgliedstaates, der die Emissionen schneller als andere reduziert, signifikante globale Auswirkungen hat.
Zwar wird die Rolle von Vorreiterstaaten anerkannt, die als Inspiration dienen können. Doch die direkte zusätzliche Wirksamkeit, wenn ein Land schnell voranschreitet, während andere langsamere Fortschritte machen, wird offenbar als begrenzt eingeschätzt.
Körner warnt vor falscher Solidarität
Diese Haltung wird von einigen Politikern geteilt. Der FDP-Europaabgeordnete Moritz Körner äußerte sich skeptisch. „Die vorzeitige Klimaneutralität Deutschlands hilft anderen Staaten, langsamer klimaneutral zu werden“, sagte Körner. Er bezweifelt, dass dies dem Klima insgesamt nützt.
Auch der Ökonom Joachim Weimann von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg teilt diese Ansicht. Die Vorverlegung des Ziels um fünf Jahre sei „vollkommen wirkungslos“, so Weimann. Er befürchtet, dass dies den deutschen Wohlstand gefährden könnte, ohne dem Klima entscheidende Vorteile zu bringen.
Emissionshandel als Einfallstor?
Die Kritik zielt unter anderem auf die Möglichkeit ab, dass eingesparte CO2-Mengen anderswo wieder emittiert werden könnten. Der europäische Emissionshandel bietet theoretisch diese Option. Allerdings deuten aktuelle Reduktionsraten darauf hin, dass die vorhandenen Zertifikate ohnehin bald aufgebraucht sein werden, voraussichtlich Ende der 2030er Jahre.
Eigene Ambitionen hatten auch Bundesländer. Bayern plante zunächst, bereits bis 2040 klimaneutral zu werden. Vor wenigen Tagen wurde diese Frist jedoch auf 2045 angepasst. CSU-Generalsekretär Martin Huber betonte zwar die Wichtigkeit des Klimaschutzes, mahnte jedoch, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Akzeptanz in der Bevölkerung entscheidend seien.
Wirtschaft setzt auf 2045
Auch die deutsche Wirtschaft peilt mehrheitlich das Ziel von 2045 an, verknüpft damit aber auch geschäftliche Chancen. Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), erklärte gegenüber der „Welt am Sonntag“, dass Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen auf dieses Ziel ausrichten. „Klimaschutz gelingt nicht durch Zielmarken allein“, betonte er.