Ursache war eine heimtückische Lungenentzündung, die das Team über Monate in Atem hielt. Dr. Tobias Knauf-Witzens, der leitende Tierarzt, schildert den verzweifelten Kampf: „Borobi litt schon seit mehreren Monaten an einer langwierigen Lungenentzündung. Es handelt sich dabei um ein Krankheitsbild, das auch aus Australien bekannt ist.“
Man habe nichts unversucht gelassen. „Nach dem Eintreten der ersten Symptome hatten wir im engen Dialog mit Koala-Expertinnen und Experten in Australien sowie Lungenspezialisten aus der Humanmedizin verschiedene, teils sehr intensive Therapien durchgeführt. Damit konnten wir Borobi zeitweise stabilisieren“, so Knauf-Witzens weiter. Doch das Blatt wendete sich: „Nachdem sich sein Zustand Ende Dezember wieder deutlich verschlechtert hatte, mussten wir die Entscheidung treffen, den Koala von seinem Leid zu erlösen.“
Ein „großer Verlust“ für die europäische Zucht
Besonders bitter ist der Tod aus wissenschaftlicher Sicht. Borobi war kein gewöhnlicher Koala, sondern genetisch extrem wertvoll für die Arterhaltung in Europa. Kurator Volker Grün, der auch das europäische Zuchtprogramm für Koalas mitkoordiniert, betont die Tragweite: „Der Tod von Borobi hat uns alle, besonders das Team der Terra Australis, emotional sehr berührt. Da Borobi und seine Eltern nicht näher mit den anderen in Europa gehaltenen Koalas verwandt ist, hätte er außerdem einen wichtigen Beitrag für die europäische Reservepopulation leisten können. Auch in dieser Hinsicht ist sein Tod daher ein großer Verlust.“
Nachwuchs als kleiner Trost
Trotz der trüben Nachrichten aus dem Koala-Haus gibt es einen Lichtblick. Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin versucht, den Blick nach vorne zu richten: „Oft verdrängen wir es. Aber der Tod gehört zum Leben dazu – das gilt in zoologischer Haltung genau wie in der Natur. Dennoch führt er zwangsläufig zu Momenten der Trauer.“
Ein kleiner „Joey“ sorgt derzeit für Ablenkung in der Anlage. Das Koala-Weibchen Auburn hat erneut Nachwuchs bekommen. Kölpin dazu: „Ein Lichtblick ist daher, dass unser Koala-Weibchen Auburn wieder Nachwuchs bekommen hat. Der Joey schaut mittlerweile immer häufiger aus dem Beutel. Auch für unsere Besucherinnen und Besucher in der Terra Australis steigen damit die Chancen, Mutter und Jungtier mit eigenen Augen zu bewundern.“
Ob der neue Nachwuchs die Lücke, die Borobi hinterlässt, füllen kann, bleibt abzuwarten. Die Tierpfleger beobachten das kleine Jungtier nun besonders intensiv.
Ein Bestand im Wandel
Eigentlich war die Stuttgarter Koala-Gruppe seit dem großen Einzug Mitte 2023 stabil aufgestellt. Zu den vier erwachsenen Tieren – den Männchen Aero und Navy sowie den Weibchen Auburn und Scarborough – gesellten sich im Sommer 2024 gleich zwei Hoffnungsträger.
Neben dem jetzt verstorbenen Borobi gehörte auch das Weibchen Jimbelung zum Nachwuchs-Duo der „Terra Australis“. Doch das Schicksal schlug in der Anlage zuletzt hart zu: Bereits im August 2025 verstarb Jimbelung überraschend. Mit dem Tod von Borobi ist die Generation von 2024 damit komplett ausgelöscht.
Dass die Gruppe nun wieder auf die vier Gründertiere zusammengeschrumpft ist. Hoffnung macht der neue, noch namenlosen „Joey“ im Beutel von Auburn. Er ist derzeit der einzige Faktor, der die Wilhelma-Gruppe über dem ursprünglichen Quartett von 2023 hält.

