Mehr US-Forscher wollen nach Deutschland

Deutschland lockt Wissenschaftler – USA als Bremse?

Foto: Studenten in einer Bibliothek (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Die USA unter Präsident Trump gelten als wissenschaftsfeindlich. Die Folge: Immer mehr internationale Forscher, insbesondere aus den Vereinigten Staaten, interessieren sich für Deutschland als neuen Wirkungsort. Daten von Förderorganisationen wie der Humboldt-Stiftung und dem DAAD zeigen deutliche Zuwächse bei Bewerbungen und dem Wunsch, in Deutschland zu bleiben.

USA verliert an Glanz

Die internationale Wissenschaftsgemeinde blickt verstärkt nach Deutschland. Anlass für dieses wachsende Interesse gibt eine aktuelle Umfrage des Fachdienstes „Tagesspiegel Background“ unter führenden deutschen Forschungsgesellschaften. Im Schatten der restriktiven Wissenschaftspolitik in den Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump scheint Deutschland attraktiver zu werden.

Bewerbungszahlen steigen rasant

Ein deutliches Indiz liefert die Humboldt-Stiftung. Im vergangenen Jahr registrierte die Stiftung einen Zuwachs von 32 Prozent bei Bewerbungen aus den USA für ihre Förderprogramme. Besonders im vierten Quartal 2025 verdoppelte sich die Zahl der Anträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) meldet massive Zuwächse bei US-Bewerbungen. Das Programm „Studienstipendium in Deutschland“ sah eine Verdopplung von 204 auf 427 Anträge. Beim Programm „RISE Germany“ stieg die Zahl um 31 Prozent auf 2071, und für das „Forschungsstipendium in Deutschland“ erhöhte sich die Antragszahl von 76 auf 88.

Max-Planck und Helmholtz melden Interesse

Auch andere renommierte Institutionen bestätigen den Trend. Einzelne Institute der Leibniz-Gemeinschaft verzeichnen mehr Bewerbungen aus den USA. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nimmt auf internationalen Tagungen „enormes Informationsinteresse“ ausländischer Wissenschaftler an Fördermöglichkeiten wahr, kann hierzu aber keine exakten Zahlen nennen. Die Max-Planck-Gesellschaft vernimmt „signifikantes Interesse von US-Amerikanern“, die bereits in Deutschland tätig sind, hier zu bleiben. „Das war früher definitiv anders“, so eine Sprecherin.

Die Helmholtz-Gemeinschaft erfasst zwar keine direkten Bewerbungszahlen, wohl aber die Anzahl angestellter Forscher mit US-Staatsbürgerschaft. Hier schlagen sich aktuelle Entwicklungen langsamer nieder. Für 2025 zeigt sich eine leichte Zunahme um elf Prozent bei Wissenschaftlern mit langfristigem Aufenthalt, während die Zahl der US-Gastwissenschaftler um 17 Prozent sank. Die Fraunhofer-Gesellschaft formuliert es prägnant: Die USA hätten als Anziehungspunkt für wissenschaftliche Talente „an Attraktivität verloren“, wovon Europa und Deutschland profitieren. Aktuelle Zahlen liegen hier nicht vor.

Regionale Vielfalt

Das gestiegene Interesse beschränkt sich nicht nur auf die USA. Die meisten Forschungsgesellschaften berichten auch von einem Zuwachs aus anderen Regionen, insbesondere aus China und Indien. Hier könnten auch die verschärften Visabestimmungen der US-Regierung eine Rolle spielen, die im September vergangenen Jahres erlassen wurden.

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)