Lieferzeiten explodieren
Die sonst üblichen Lieferzeiten von acht Wochen sind bei einigen Produkten auf bis zu 50 Wochen gestiegen. „Manche Halbleiterhersteller nehmen keine Neukunden mehr an“, warnte Noureddine Seddiki, Chef des Elektronikbrokers „Sand and Silicon“, gegenüber dem „Handelsblatt“. Dies spiegelt eine Marktsituation wider, in der Produzenten die Gunst der Stunde nutzen.
Preise und Bedingungen verschärft
„Einige für die deutsche Industrie wichtige Chiplieferanten haben in den vergangenen Wochen wieder Preiserhöhungen und verschärfte Lieferbedingungen angekündigt“, sagte Tanjeff Schadt, Halbleiterexperte bei der Beratungsgesellschaft „Strategy&“ . Besonders betroffen sind demnach Speicherchips. Abnehmer müssten aktuell mit Preisaufschlägen von 300 bis 400 Prozent im Vergleich zum Herbst rechnen – sofern überhaupt Ware verfügbar ist.
KI und Rechenzentren treiben Nachfrage
Als Hauptursache für die erneute Chipkrise nennt Bo Lybaek, Chef des dänischen Elektronikfertigers GPV, eine „hohe Nachfrage, die hauptsächlich durch Künstliche Intelligenz und Rechenzentren getrieben wird“.
Besserung nicht in Sicht
Eine kurzfristige Besserung der Lage ist laut Peter Fintl, Halbleiterspezialist bei Capgemini, unwahrscheinlich. Die Produktionskapazitäten für Chips lassen sich aufgrund komplexer Lieferketten und der Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern nur langsam erweitern.

