Debatte um Energiepolitik

„Der Ausstieg war ein großer Fehler“: Frank Thelen löst neue Atomkraft-Debatte aus

Mann im Anzug steht nachdenklich vor einem Büro mit dem Schriftzug 'FREIGEIST'.
Foto: Sebwes89 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=94496649

Der Unternehmer und Investor Frank Thelen sorgt mit einem Beitrag auf der Plattform X für eine neue Diskussion über Deutschlands Energiepolitik. In seinem Post kritisiert der bekannte Start-up-Investor den deutschen Atomausstieg scharf – und spricht von einem „großen Fehler“.

Thelen betont dabei, dass er grundsätzlich kein Fan von Kernenergie sei. Sein Ziel sei vielmehr ein Energiesystem, das vollständig auf erneuerbaren Quellen wie Solar- und Windkraft basiert. Doch aus seiner Sicht sei dieser Übergang derzeit noch nicht vollständig realistisch.

Kritik am deutschen Atomausstieg

In seinem Beitrag schreibt Thelen, Deutschland habe sich mit dem vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie „in eine Sackgasse manövriert“. Bereits im Jahr 2021 habe er vor den möglichen Folgen gewarnt – unter anderem in einer Diskussion in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz.

Damals habe er argumentiert, dass ein pauschales Urteil nach dem Motto „Atomkraft ist böse“ der falsche Weg sei. Für diese Einschätzung habe er nach eigenen Angaben viel Kritik erhalten.

Heute sieht sich der Unternehmer durch neue Analysen bestätigt.

Studien sehen höhere Strompreise

Thelen verweist auf Auswertungen internationaler Beratungsunternehmen. Analysen von J.P. Morgan und PwC aus den Jahren 2024 und 2025 würden zeigen, dass der Atomausstieg spürbare wirtschaftliche Folgen habe.

Demnach könnten die Börsenstrompreise in Deutschland heute rund 23 bis 25 Prozent niedriger liegen, wenn Kernkraftwerke weiterhin Strom produzieren würden.

Zudem hätte Deutschland laut diesen Analysen deutlich weniger Strom aus fossilen Energieträgern erzeugen müssen.

Mehr CO₂ durch Atomausstieg?

Thelen verweist außerdem auf einen Bericht zum deutschen Atomausstieg aus dem Jahr 2025. Demnach habe der Wegfall der Kernenergie zusätzliche CO₂-Emissionen verursacht.

In seinem Beitrag nennt er eine Zahl von mehr als 700 Millionen Tonnen zusätzlichem CO₂, die im Zusammenhang mit dem Ausstieg entstanden seien.

Aus seiner Sicht bedeute das:

  • höhere Stromkosten für Haushalte
  • Wettbewerbsnachteile für Industrieunternehmen
  • größere Abhängigkeit von Energieimporten

Kritik auch an Wissenschaftlern

In seinem Beitrag erwähnt Thelen auch den bekannten Physiker und Wissenschaftskommunikator Harald Lesch. Dieser habe in früheren Debatten aus seiner Sicht zu selbstbewusst gegen Kernenergie argumentiert.

Thelen betont allerdings gleichzeitig, dass energiepolitische Entscheidungen komplex seien und verschiedene Faktoren berücksichtigt werden müssten.

Energiepolitik bleibt umstritten

Der deutsche Atomausstieg gehört seit Jahren zu den umstrittensten Themen der Energiepolitik. Während Kritiker argumentieren, dass Kernkraft eine wichtige CO₂-arme Übergangstechnologie sein könne, verweisen Gegner auf Risiken wie Unfälle, radioaktive Abfälle und hohe Kosten.

Deutschland hat seine letzten Kernkraftwerke im Jahr 2023 endgültig abgeschaltet. Die Energiewende setzt stattdessen vor allem auf den Ausbau von Windenergie, Solarstrom und Speichertechnologien.

Die Diskussion über die Rolle der Kernenergie dürfte jedoch auch in Zukunft weitergehen – nicht zuletzt angesichts steigender Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten.