Ölpreis steigt, Helium knapp

DAX fällt: Iran-Konflikt belastet Märkte und die Chip-Produktion

Foto: Frankfurter Börse, via dts Nachrichtenagentur

Der deutsche Leitindex startet schwach in den Handelstag. Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts rücken zunehmend in den Fokus. Besonders die Chip-Produktion ist durch Engpässe bei entscheidenden Rohstoffen wie Helium bedroht. Die Unsicherheit über die Seewege verschärft die Lage zusätzlich.

Abwärtstrend am Börsentag

Der Deutsche Aktienindex (DAX) hat am Freitag schwächer in den Handelstag gefunden. Gegen 9:30 Uhr notierte der Leitindex bei rund 23.315 Punkten, was einem Minus von 1,2 Prozent gegenüber dem Schlusskurs des Vortages entspricht.

Wirtschaftliche Verwerfungen nehmen zu

Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, sieht die wirtschaftlichen Folgen des nun knapp zweiwöchigen Iran-Konflikts immer deutlicher auf dem Frankfurter Parkett. Angesprochen werden dabei Inflation, Wachstum und Unternehmensbewertungen. Eine rasche Lösung für die anhaltende Blockade des Schiffsverkehrs durch die strategisch wichtige Straße von Hormus sei nicht in Sicht.

Die globalen Rohöllagerbestände schrumpfen zusehends. „Der Spielraum für weitere Belastungen wird so mit jedem Tag kleiner“, erklärt Stanzl. Mit jeder weiteren Verzögerung der Öffnung der Meerenge reagiere der Ölpreis empfindlicher. Steigt er über 120 US-Dollar, wird ein Durchbrechen der Passage unter Inkaufnahme von Risiken durch iranischen Beschuss immer wahrscheinlicher.

Informationschaos um die Straße von Hormus

Hintergrund ist die Unklarheit über die tatsächlichen Ereignisse in der Straße von Hormus. Ob Minen gelegt werden, liefert widersprüchliche Informationen je nach Quelle. Sicher ist, dass Tanker brennen. Die Lieferungen von Rohöl, Flüssiggas, Helium und Dünger stocken. Eine militärisch flankierte Passage durch das Kriegsgebiet wird nicht ausgeschlossen.

Helium-Mangel bedroht Chip-Industrie

Die Folgen einer blockierten Straße von Hormus werden spürbar. Katar, verantwortlich für rund 40 Prozent der weltweiten Helium-Lieferungen, kann nicht mehr liefern. Helium ist unabdingbar für die Kühlung von Lithografiemaschinen, die bei der Herstellung von Computerchips eingesetzt werden. Ein Ersatzstoff existiert nicht. Die Lagerbestände reichen voraussichtlich nur noch drei Monate. Nordamerika, ein großer Produzent, benötigt das Edelgas selbst. Ein Ausfall von Helium könnte die Chipproduktion erheblich beeinträchtigen und den Ausbau von KI-Rechenzentren massiv verlangsamen.

Taiwaner Stromnetz unter Druck

Taiwan, das wie Deutschland seine Atomkraftwerke abgeschaltet hat und auf Gaskraftwerke setzt, ist auf Rohstofflieferungen angewiesen. Ausfälle, wie die nun entfallenden Lieferungen aus Katar, zwingen zur Beschaffung am Spotmarkt. Dies führt zu höheren Preisen und möglichen Lieferverzögerungen. Mit Lagerkapazitäten für nur zehn bis elf Tage LNG stellt dies für Taiwan ein erhebliches Problem dar.

Die Abhängigkeit Taiwans von sicheren Energielieferungen wird durch die Rolle des Landes als Heimat des bedeutenden Chipherstellers TSMC noch kritischer. Schon bei einem Herunterfahren der Gaskraftwerke zur Einsparung von LNG sinkt der Risikopuffer des Stromnetzes auf ein kritisches Niveau. Spannungsschwankungen oder Stromausfälle könnten die empfindlichen Lithografiemaschinen von TSMC zum Abschalten zwingen und Schäden in Millionenhöhe verursachen.

Währung und Rohstoffe im Fokus

Der Euro gab am Freitagmorgen nach und kostete 1,1438 US-Dollar. Der Goldpreis zeigte sich ebenfalls schwächer, eine Feinunze wurde für 5.068 US-Dollar gehandelt. Deutlich im Plus zeigt sich hingegen der Ölpreis: Ein Fass der Nordseesorte Brent stieg am Morgen um 1,7 Prozent auf 102,10 US-Dollar.

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)

Methodik-Hinweis:
insideBW prüft Informationen nach redaktionellen Standards. Wie wir arbeiten? Mehr dazu: Quellen & Methodik .