Fantasy-Elemente im isländischen Wald
Ein Moment der Folge sorgt für besonders viel Gesprächsstoff: Schiffsärztin Dr. Jessica Delgado (Collien Fernandes) verläuft sich beim Wasserholen im Wald. Statt purer Panik erlebt sie eine fast magische Begegnung. Ein weiß gekleideter Mann, der wie ein Elf oder Magier wirkt, weist ihr den Weg und zaubert ihr einen Bernstein in den Rucksack.
Dieser Ausflug ins Fantasy-Genre wirkt für das Traditionsformat ungewohnt. Es scheint fast so, als wolle das ZDF dem Quotendruck mit einer Prise „Herr der Ringe“-Atmosphäre begegnen. Ob der Spruch des Unbekannten – „Es ist besser zu glauben, als zu zweifeln“ – die Zuschauer überzeugt, bleibt abzuwarten.

Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen, l.) und Staff-Kapitän Martin Grimm (Daniel Morgenroth, r.) amüsieren sich über Dr. Jessica Delgados (Collien Fernandes, M.) Skepsis über die isländischen Mythen.
Ein Hauch von Reality-TV: Der Burdecki-Moment
Viel Wirbel gab es im Vorfeld um Gaststar Evelyn Burdecki. Wer sich jedoch eine tragende Rolle des Reality-Stars erhofft hatte, wurde enttäuscht. Ihr Auftritt als Kosmetikerin oder Boutiquenbesitzerin ist so kurz geraten, dass man ihn fast verpasst, wenn man kurz blinzelt. Es wirkt beinahe so, als wollte man das junge Publikum mit einem bekannten Namen locken, ohne der Figur echten Raum zur Entfaltung zu geben.

Evelyn Küpper (Saskia Vester, l.) und ihre Enkelin Ronja Küpper (Rosa von Lobenstein, M.) lassen es sich auf der gemeinsamen Reise gutgehen. Unterstützt werden sie dabei von Vera (Evelyn Burdecki, r.), der Stylistin an Bord.
Mutige Themen: Altersliebe und Neurodivergenz
Inhaltlich zeigt sich das „Traumschiff“ moderner als in früheren Jahrzehnten. Die Liebesgeschichte zwischen Evelyn (Saskia Vester) und Toni (Michaela May) thematisiert eine lesbische Romanze im Alter – ein wichtiger Schritt zur Enttabuisierung, der durch die gewohnt herzerwärmende Inszenierung getragen wird.
Diskussionsbedarf bietet auch der Handlungsstrang um die Halbbrüder Dominik und Nikolaus. Nikolaus wird als Charakter gezeichnet, der keine Ironie versteht und alles wörtlich nimmt – Züge, die man dem Autismusspektrum zuordnen könnte. Dass diese Besonderheit im Film jedoch nie klar eingeordnet oder aufgelöst wird, lässt den Zuschauer mit Fragen zurück.
Logikpausen auf der MS Amadea
Kritikpunkte finden sich auch im Detail: Die Crew scheint gefühlt nur aus vier Personen zu bestehen, die den ganzen Tag gemeinsam über Deck flanieren. Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen) glänzt vor allem durch Durchsagen, während die Passagiere ihre kompletten Lebensgeschichten bereits beim Check-in am einsamen Counter ausbreiten.
Warum Familienvater Dominik ohne seine Frau und drei Kinder allein auf Kreuzfahrt geht, bleibt ebenso ein Rätsel der Drehbuchautoren. Doch genau das macht das „Traumschiff“ seit jeher aus: Es ist ein schwimmendes Versprechen auf eine heile Welt, in der sich jeder Konflikt nach exakt 90 Minuten in Wohlgefallen auflöst.
Die Besetzung und Gaststars im Überblick
Neben der Stammbesatzung rund um Florian Silbereisen sind dieses Mal wieder bekannte Gesichter der deutschen TV-Landschaft mit an Bord:
- Saskia Vester als Evelyn Küpper
- Michaela May als Toni Meissner
- Barnaby Metschurat als Nikolaus Andresen
- Evelyn Burdecki in einer Gastrolle als Vera
Besonders der Kurzauftritt von Reality-Star Evelyn Burdecki wurde im Vorfeld viel diskutiert, auch wenn ihre Rolle als Kosmetikerin oder Boutique-Besitzerin eher klein ausfällt.
So sehen Sie die Folge im Stream
Wer den Ostersonntag lieber offline verbringt, kann die Folge bereits vorab streamen. Seit dem 28. März 2026 steht „Das Traumschiff – Island“ in der ZDF-Mediathek auf Abruf bereit. Dort bleibt der Film für insgesamt ein Jahr verfügbar.
Fazit: Lohnt sich das Einschalten?
Trotz gestelzter Dialoge und teils unrealistischer Wendungen liefert die Island-Folge genau das, was Fans suchen: grenzenlose Alltagsflucht. Die Drohnenaufnahmen der Geysire und Lavafelder wecken Fernweh, und die emotionalen Geschichten bieten genug Stoff zum Mitfühlen. Wer bereit ist, „lieber zu glauben als zu zweifeln“, wird auch diesen maritimen Fiebertraum genießen.