Die aktuelle Lage im Überblick
- Pegel Konstanz: Ende Juli rund 2,89 Meter
- Abweichung vom saisonalen Mittel: etwa 1,20 bis 1,30 Meter
- Täglicher Rückgang: zuletzt ungefähr zwei bis drei Zentimeter
- Besonders betroffen: Untersee und flache Hafenbereiche
- Schifffahrt: angepasste Fahrpläne und einzelne nicht bediente Strecken
- Bootshäfen: mehrere Liegeplätze nicht mehr erreichbar
- Badegewässer: örtliche Blaualgenbelastung möglich
- Trinkwasser: aktuell keine akute Gefährdung bekannt
- Tendenz: ohne flächendeckenden Regen weiter niedrig
Bodensee-Pegel fällt unter 2,90 Meter
Der Wasserstand am Pegel Konstanz lag Ende Juli bei rund 2,89 Metern. Damit befand er sich etwa 1,20 bis 1,30 Meter unter dem für den Sommer typischen Mittelwasser. Seit Mitte Juni wurden für die jeweilige Jahreszeit ungewöhnlich niedrige Werte gemessen.
Der Pegelstand allein sagt allerdings nicht, wie tief der See insgesamt ist. Der Pegelnullpunkt ist ein festgelegter Messwert und entspricht nicht dem Seegrund. Ein Stand von 2,89 Metern bedeutet daher nicht, dass der Bodensee nur noch knapp drei Meter tief wäre.
Für die Häfen, Uferbereiche und Schiffsanleger ist der Messwert dennoch entscheidend. Besonders in flachen Zonen kann bereits ein Rückgang um wenige Zentimeter darüber entscheiden, ob Boote einen Liegeplatz noch erreichen können.
Warum der Wasserstand jeden Tag weiter sinkt
Hauptgrund ist die derzeit negative Wasserbilanz des Bodensees. Die Zuflüsse bringen weniger Wasser in den See, als am westlichen Ende über den Seerhein und den Hochrhein wieder abfließt.
Ende Juli gelangten über Rhein, Argen, Schussen und weitere Flüsse zusammen ungefähr 90 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den See. Gleichzeitig flossen bei Stein am Rhein etwa 180 Kubikmeter pro Sekunde ab. Dadurch verlor der See täglich ungefähr zwei bis drei Zentimeter Wasser.
Zusätzlich beschleunigt die Hitze die Verdunstung. Einzelne Gewitter mit Starkregen reichen kaum aus, um den gesamten Bodensee spürbar aufzufüllen. Dafür wären länger anhaltende und großflächige Niederschläge im gesamten Einzugsgebiet einschließlich des Alpenraums notwendig.
Fehlende Schneeschmelze verschärft die Lage
Normalerweise steigt der Bodensee im Frühjahr und Frühsommer deutlich an. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Schmelzwasser aus den Alpen, das vor allem über den Alpenrhein in den See gelangt.
Im Jahr 2026 fiel dieser saisonale Anstieg vergleichsweise schwach aus. Gleichzeitig blieb es über längere Zeit trocken und heiß. Dadurch erreichte der See seinen üblichen sommerlichen Höchststand nicht und startete bereits mit einem Defizit in die zweite Hälfte des Sommers.
Der aktuelle Tiefstand ist deshalb nicht die Folge eines einzelnen heißen Tages. Er entstand durch das Zusammenwirken von geringen Zuflüssen, fehlendem Schmelzwasser, wenig flächendeckendem Regen und hoher Verdunstung.
Am Untersee werden die Folgen besonders deutlich
Besonders betroffen ist der Untersee zwischen Konstanz, der Insel Reichenau und Stein am Rhein. Dieser Teil des Bodensees ist wesentlich flacher als der Obersee.
In mehreren Häfen liegen Ufer- und Stegbereiche bereits trocken. Größere Segel- und Motorboote mit entsprechendem Tiefgang können einzelne Liegeplätze nicht mehr sicher erreichen. Manche Besitzer haben ihre Boote deshalb vorzeitig aus dem Wasser geholt.
In Radolfzell wurden bereits im Juli mehrere Boote aus dem Yachthafen genommen. Auch am Sporthafen Herrenbruck auf der Reichenau sind ufernahe Plätze für größere Schiffe teilweise nicht mehr erreichbar.
Das Niedrigwasser verändert außerdem den Zugang zu den Schiffen. An manchen Anlegestellen liegen die Einstiege deutlich steiler als gewöhnlich, weil der Höhenunterschied zwischen Landebrücke und Schiff größer wird.
Kursschifffahrt fährt bereits mit Einschränkungen
Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein hat für 2026 einen besonderen Niedrigwasser-Fahrplan veröffentlicht. Auf dem Rhein besteht bereits seit Ende Juni ein Streckenunterbruch zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen. Auf Teilen des Untersees werden weiterhin reguläre Fahrten oder angepasste Rundfahrten angeboten.
Ob ein Schiff einen Hafen anfahren kann, hängt nicht allein vom Pegel Konstanz ab. Entscheidend sind auch die örtliche Fahrrinne, der Tiefgang des eingesetzten Schiffs, Windverhältnisse und die Beschaffenheit des jeweiligen Anlegers.
Ein vollständiges Ende der Kursschifffahrt auf dem Untersee ist derzeit nicht offiziell angekündigt. Weitere Einschränkungen sind bei einem weiter sinkenden Wasserstand jedoch möglich. Die URh weist ausdrücklich darauf hin, dass Kurse bei Hoch- oder Niedrigwasser teilweise oder vollständig ausfallen können.
Aktuelle Abfahrtszeiten und Einschränkungen veröffentlicht die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein.
Einzelne Anlegestellen können nicht mehr bedient werden
Das Niedrigwasser wirkt sich nicht überall gleich aus. Während tiefere Häfen weiterhin nutzbar sein können, reichen an flachen Anlegestellen bereits wenige fehlende Zentimeter für Einschränkungen.
Am Untersee kann unter anderem die Anlegestelle Mannenbach derzeit nicht regulär angefahren werden. Auch kleine Zufahrten, Hafenbecken und ufernahe Liegeplätze sind zunehmend betroffen.
Für Fahrgäste bedeutet das: Vor einer geplanten Schifffahrt sollten der aktuelle Fahrplan und mögliche Änderungen direkt bei der jeweiligen Reederei geprüft werden. Die größeren Fährverbindungen auf dem Obersee sind nicht automatisch von denselben Problemen betroffen wie die flachen Strecken am Untersee.
Häfen und Bootsbesitzer geraten unter Druck
In mehreren Häfen zeigt sich die Lage besonders deutlich. Sandbänke und flache Stellen reichen inzwischen bis nahe an die Wasseroberfläche. Teilweise werden gefährliche Bereiche provisorisch markiert, damit Freizeitboote nicht auf Grund laufen.
Für Besitzer größerer Segelboote ist vor allem der Tiefgang entscheidend. Je tiefer der Kiel ins Wasser reicht, desto früher wird ein Liegeplatz unzugänglich. Auch Ausfahrten aus Hafenbecken können erschwert sein.
Das betrifft nicht nur private Bootsbesitzer. Segelschulen, Bootsvermieter, Werften und Gastronomiebetriebe am Wasser müssen sich ebenfalls auf veränderte Bedingungen einstellen. Wie stark die wirtschaftlichen Folgen ausfallen, lässt sich derzeit noch nicht beziffern.
Blaualgen an einzelnen Stellen des Bodensees
Das warme und flache Wasser kann örtlich das Wachstum von Cyanobakterien begünstigen, die umgangssprachlich als Blaualgen bezeichnet werden. Im Kleinen See zwischen der Lindauer Insel und dem Festland wurden entsprechende Vorkommen durch Untersuchungen bestätigt.
Dort wurde zeitweise vom Baden abgeraten. Blaualgen können bei Menschen Hautreizungen, Übelkeit oder Durchfall auslösen. Für Hunde können aufgenommene Giftstoffe besonders gefährlich sein.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der gesamte Bodensee belastet ist. Die Wasserqualität gilt abgesehen von einzelnen lokal betroffenen Bereichen grundsätzlich als gut. Gesundheitsämter kontrollieren die Badestellen regelmäßig.
Badegäste sollten Warnschilder beachten und Wasser mit auffälligen grünen Schlieren, Flocken oder teppichartigen Ansammlungen meiden.
Ist die Trinkwasserversorgung gefährdet?
Der niedrige Pegel bedeutet nach den bislang verfügbaren Informationen keine akute Gefahr für die Trinkwasserversorgung. Die Entnahmestellen liegen weit genug unterhalb der Wasseroberfläche und der Bodensee verfügt trotz des niedrigen Wasserstands über ein sehr großes Wasservolumen.
Auch die Trinkwasserentnahme ist nicht der entscheidende Grund für den aktuellen Rückgang. Im Verhältnis zu Zufluss, Abfluss und Verdunstung spielt sie bei der kurzfristigen Entwicklung des Pegels nur eine untergeordnete Rolle.
Der Bodensee bleibt einer der wichtigsten Trinkwasserspeicher Baden-Württembergs. Mehrere Millionen Menschen werden mit aufbereitetem Wasser aus dem See versorgt. Wie wichtig der See für das Land ist, zeigt auch der insideBW-Hintergrund Warum der Schluchsee statistisch größer als der Bodensee ist.
Dem Bodensee geht es nicht insgesamt schlecht
Der extrem niedrige Wasserstand sorgt für sichtbare und teilweise erhebliche Einschränkungen. Dennoch lässt sich daraus nicht ableiten, dass der Bodensee unmittelbar vor dem ökologischen Kollaps steht.
Seine Wasserqualität hat sich seit den 1980er-Jahren deutlich verbessert. Diese gute Ausgangslage hilft dem Ökosystem auch während Hitze- und Niedrigwasserphasen.
Langfristig bereitet Wissenschaftlern jedoch die zunehmende Erwärmung Sorgen. Selbst in großen Tiefen wird das Wasser wärmer. Dadurch kann sich der See im Winter und Frühjahr schlechter vollständig durchmischen. Sauerstoff gelangt dann weniger zuverlässig in tiefe Wasserschichten, während Nährstoffe schlechter nach oben transportiert werden.
Der aktuelle niedrige Pegel und die langfristige Erwärmung sind unterschiedliche Vorgänge. Beide zeigen jedoch, wie empfindlich das große Ökosystem auf veränderte Wetter- und Klimabedingungen reagiert.
Ist es wirklich ein absoluter Rekord?
Der Pegel liegt für Anfang August auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau und unterschreitet die bisherigen Vergleichswerte für diese Jahreszeit deutlich. Das ist jedoch nicht automatisch gleichbedeutend mit dem niedrigsten Bodensee-Wasserstand aller Zeiten.
Bei historischen Vergleichen müssen immer das konkrete Datum, der Pegelstandort und die jeweilige Messreihe berücksichtigt werden. Der bisherige Vergleichswert für Anfang August 2022 lag laut den vorliegenden Berichten bei rund 3,26 Metern und damit deutlich höher als 2026.
Seriöser als die Formulierung „Der Bodensee ist so leer wie nie“ ist daher: Für diese Jahreszeit wurde am Pegel Konstanz ein historisch niedriger Wasserstand erreicht.
Können Gewitter den Bodensee wieder auffüllen?
Einzelne Gewitter können den Pegel kurzfristig stabilisieren oder den Rückgang etwas verlangsamen. Für eine nachhaltige Entspannung reicht örtlicher Starkregen jedoch meist nicht.
Der Bodensee besitzt ein sehr großes Einzugsgebiet. Entscheidend sind Niederschläge in den Alpen sowie an den großen Zuflüssen. Erst mehrtägiger, verbreiteter Regen könnte die Wasserbilanz deutlich verändern.
Bis dahin dürfte der Wasserstand auf niedrigem Niveau bleiben oder weiter fallen. Die aktuelle Entwicklung kann über den gemeinsamen Bodensee-Lagebericht der zuständigen Behörden verfolgt werden.
Was Besucher jetzt beachten sollten
Der Bodensee bleibt grundsätzlich ein attraktives Reiseziel. Viele Strandbäder, Ausflugsziele, Restaurants und Schiffsverbindungen sind weiterhin geöffnet. Einschränkungen können aber lokal und kurzfristig auftreten.
Vor einer Bootsfahrt oder einem Ausflug mit einem Kursschiff empfiehlt sich ein Blick auf den aktuellen Fahrplan. Badegäste sollten örtliche Warnungen zu Blaualgen beachten. Freizeitkapitäne müssen besonders auf flache Stellen und neu entstandene Sandbänke achten.
Wie ungewöhnlich das Niedrigwasser die Uferlandschaft verändert, zeigte bereits ein früherer insideBW-Beitrag über das Naturphänomen am Bodensee bei Konstanz. Die damalige Situation war allerdings weniger ausgeprägt als der Tiefstand im Sommer 2026.
FAQ zum Niedrigwasser am Bodensee
Wie hoch ist der Bodensee-Pegel aktuell?
Am Referenzpegel Konstanz lag der Wasserstand Ende Juli 2026 bei rund 2,89 Metern. Das ist für diese Jahreszeit außergewöhnlich niedrig.
Warum sinkt der Bodensee so stark?
Derzeit fließt weniger Wasser in den See, als über den Seerhein abläuft. Hinzu kommen fehlendes Schmelzwasser, wenig flächendeckender Regen und eine hohe Verdunstung durch die Hitze.
Wird die Schifffahrt auf dem Untersee eingestellt?
Ein vollständiger Stopp ist bislang nicht angekündigt. Es gilt jedoch ein angepasster Niedrigwasser-Fahrplan, und einzelne Strecken oder Anlegestellen können nicht bedient werden.
Ist Schwimmen im Bodensee noch möglich?
An den meisten Stellen grundsätzlich ja. Lokal können jedoch Blaualgen auftreten. Badegäste sollten die Hinweise der Gesundheitsämter und Warnschilder an den Badestellen beachten.
Ist die Trinkwasserversorgung durch das Niedrigwasser gefährdet?
Eine akute Gefährdung ist derzeit nicht bekannt. Die Wasserentnahme erfolgt tief unter der Oberfläche und spielt für den aktuellen Pegelrückgang nur eine untergeordnete Rolle.





